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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zwölftes Kapitel: Der Bourgeois alten Stils 201

Er meint: wer sich 20000 F erworben habe, für den seies wohl an der Zeit, das Geschäft aufzugeben. Mit diesemGelde kann er sich schon ein ganz hübsches Gut kaufen, unddamit tritt er in die Gentry ein. Er gibt diesem neugebackenenGentleman nun folgende Lehren auf den Weg: 1. er soll seinhaushälterisches Leben auch in Zukunft weiterführen: von den1000 F Rente soll er höchstens 500 F verzehren und mit demErsparten seinen Besitz vergrößern; 2. er soll sich nicht inSpekulationen einlassen und nicht an Gründungen beteiligen:er hat sich doch zurückgezogen, um das zu genießen, was er er-worben hat (retir'ä to enjo^ vvkst tke^ nsci Ac>t): warum esda in gewagten Anternehmungen wieder aufs Spiel setzen?Welcher andere Grund als reine Kabsucht kann solch einenMann überhaupt veranlassen, sich in neue Abenteuer zu stürzen?So einer hat nichts anderes zu tun, als sich ruhig zu ver-halten, nachdem er in solche Lebenslage gekommen ist (Sucn anc>ne . . nag notniriA to äo but tc> de quiet, vvnen ne isarriveci at tnis Situation in Iite). Vorher mußte er aller-dings, um sein Vermögen zu erwerben, fleißig und tätig sein;jetzt hat er aber nichts zu tun, als den Entschluß zu fassen,faul und untätig zu sein (tc> cletermine to be indolent anciinactive). Staatsrenten und Landbesitz sind die einzig richtigeAnlage für seine Ersparnisse.

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Wenn diese Bourgeois alten Stils nun aber arbeiteten,so war die Geschäftsführung selbst derart, daß sich ineiner gegebenen Zeit eine möglichst geringe Anzahl von Ge-schäftsakten abspielte. Der geringen extensiven Entwicklung derGeschäftstätigkeit entsprach eine ebenso geringe intensiveEntwicklung. Bezeichnend für den Geist, in dem man Geschäftebetrieb, erscheint mir der Amstand, daß alle frühere Geschäfts-