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Vierter Abschnitt: Der Bourgeois einst und jetzt
Weisheit darauf hinauslief, möglichst hohe Preise zu er-zielen, damit man mit einem möglichst geringen Amsatz einenhohen Profit erreiche: kleiner Amsatz, großer Nutzen, ist dasGeschäftsprinzip der Unternehmer von damals. Nicht nur etwader kleinen, halb handwerksmäßigen Existenzen; nein selbst derganz großen Erwerbsgesellschaften. Es war der Grundsatzbeispielsweise der holländisch-ostindischen Kompagnie: „kleine Ge-schäfte mit großem Nutzen" zu treiben. Daher ihre Politik:die Gewürzbäume auszurotten; reichliche Ernten zu ver-brennen usw. Dieses tat man auch deshalb, um den schäd-lichen Genuß der Kolonialwaren nicht den Armen zuteil werdenzu lassen.
Es war im wesentlichen ein Absatz an die Reichen, denman im Auge hatte, und der ist immer bequemer als einAbsatz an die große Masse 2"). Ein Spiegelbild dieser Auf-fassung war die Theorie der ökonomischen Schriftsteller, die (wieüberall) während des ganzen 17. und 18. Jahrhunderts Ver-teidiger hoher Preise waren ^°).
Nur ein äußerer Ausdruck dieser inneren Ruhe und Ge-messenheit war das würdevolle Auftreten, war die etwas steifeund pedantische Erscheinung des Bourgeois alten Stils. Wirkönnen uns weder im langen Pelzmantel der Renaissancezeitnoch in den Kniehosen und der Perücke der späteren Jahr-hunderte einen hastigen Menschen recht vorstellen. And glaub-würdige Zeitgenossen schildern uns denn auch den Geschäfts-mann als einen bedächtig dahinschreitenden Menschen, derniemals Eile hat, gerade weil er etwas tut. Messer Alberto,selbst ein sehr beschäftigter Mann, pflegte zu sagen: er habenoch nie einen fleißigen Menschen anders als langsam gehensehen, erfahren wir aus dem Florenz des 15. Jahrhunderts^).And ein guter Gewährsmann berichtet uns über die Industrie-stadt Lyon im 18. Jahrhundert: „hier in Lyon geht man