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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zwölftes Kapitel: Der Bourgeois alten Stils

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ruhigen Schritts, weil (I) man beschäftigt ist, während man inParis rennt, weil man müßig geht" 2"). Lebendig vor unssehen wir die Großkaufleute Glasgows im 18. Jahrhundert,wie sie in roten Röcken, mit dem Dreimaster und gepudertenPerücken auf und ab die Planistanes stapften, das einzigeStückchen Pflaster im damaligen Glasgow , das 3 oder 400Meter Straße vor der Stadthalle bedeckte ^ würdevoll einerzum anderen sprechend, und hochmütig dem niederen Volke zu-nickend, das ihnen zu huldigen kam" °^).

3. Die Stellung zur Konkurrenz und zur Kund-schaft entspricht der eigenen Geschäftsführung: man will dochvor allem seine Ruhe haben: diesesstatische Prinzip", dasalles vorkapitalistische Wirtschaftsleben ausschließlich beherrschthatte, nimmt doch auch im Gefüge des frühkapitalistischen Geistesnoch immer eine bedeutende Stellung ein. DieKundschaft"gilt noch wie ein umfriedeter Bezirk, der dem einzelnen zu-gesprochen ist: wie das Territorium im überseeischen Lande, dasder Handelsgesellschaft als abgegrenztes Gebiet zur alleinigenAusbeutung überlassen ist.

Gerade über diese Eigenart der frühkapitalistischen Wirt-schaftsgesinnung habe ich mich unlängst in anderem Zusammen-hange ausführlich ausgesprochen^") und ich kann mich deshalb hiermit wenigen Äindeutungen begnügen. Ich will nur auf einigewichtige Geschäftsgrundsätze und Geschäftsanschauungen ver-weisen, die sich aus dem Prinzip einer statisch gedachten Wirt-schaftsgestaltung ergeben mußten und die den Ideenkreis desBourgeois alten Stils in der Tat auch beherrscht haben.

Auf das strengste verpönt war allerKundenfang": es galtalsunchristlich", als unsittlich, seinen Nachbarn die Käuferabspenstig zu machen. Anter denRegeln der Kaufleute, diemit Waren handeln", befindet sich eine, die lautet:Wendekeinem seine Kunden oder Äandelsmann weder münd- noch