Dreizehntes Kapitel: Der moderne Wirtschaftsmensch 21Z
Mutet uns das nicht gerade an, als ob wir einen Berichtaus dem England der 1720er Jahre lesen?
Daneben waltet der tüchtige Kaufmann, der sein Glückmacht durch einen sicheren Blick für die Konjunktur oder auchnur durch gutes Rechnen und geschickte Vertragsabschlüsse mitseinen Lieferanten, seinen Kunden und seinen Arbeitern. Washat ein Berliner Konfektionär mit Cecil Rhodes , was hat derLeiter eines großen Warenhauses mit den Spekulanten in Gold-minen zu tun? Was sie alle mit dem Manufakturer, der heutenoch wie vor 100 und 200 Iahren seine kleine Fabrik in Brad-ford oder Sedan, in Forst oder Spremberg leitet?
Sie alle, die alten Freunde, sind noch da und scheinbar inunveränderter Gestalt. And damit das Bild, das das moderneUnternehmertum darstellt, gar bunt ausschaue, haben sich inunserer Zeit noch einige neue Typen dazugefunden. Ich denkedabei nicht einmal in erster Linie an Mc. Allan, den Äeld inKeller manns Roman „Der Tunnel". Obwohl wir hier inder Tat einen ganz neuen Unternehmertyp vor uns sehen: eineKreuzung von Spekulanten und Techniker. Eine seltsameMischung von Eroberer und Träumer; einen Mann, der nichtsvon Geldgeschäften versteht, der nur erfüllt ist von einer fixentechnischen Idee, der aber gleichwohl ein Riesenunternehmen leitetund die Milliarden Amerikas und Europas kommandiert. Ichsage: ich denke nicht einmal an diesen Unternehmertyp, weil ich,offen gestanden, nicht weiß, ob er existiert. Möglich wäre es,daß es ihn gäbe. Die Zeichnung, die Kellermann von diesemMc. Allan entwirft, ist so lebendig, daß man glaubt, ihn vorsich zu sehen. Ich persönlich kenne keinen solchen Typ. Ichwill aber gern glauben, daß es bloß an meiner mangelhaftenErfahrung liegt, und somit könnten wir den Typ Mc- Allanals neuen (siebenten) Typ des modernen Anternehmers auf-marschieren lassen.