Dreizehntes Kapitel: Der moderne Wirtschastsmensch 2l7
1. nach dem Ideal Ausschau halten, nach den zentralenLebenswerten, nach denen sich der moderne Wirtschastsmenschorientiert. And da stoßen wir denn alsbald auf eine seltsameVerschiebung in der Stellung des Menschen zu den im engerenSinne persönlichen Werten: eine Verschiebung, die mir für diegesamte übrige Lebensgestaltung von entscheidender Bedeutunggeworden zu sein scheint. Ich meine die Tatsache, daß der lebendigeMensch mit seinem Wohl und Wehe, mit seinen Bedürfnissenund Anforderungen aus dem Mittelpunkte des Interessenkreisesherausgedrängt worden ist, und daß seine Stelle ein paar Ab-strakt« eingenommen haben: der Erwerb und das Geschäft. DerMensch hat also, was er bis zum Schlüsse der frühkapitalisti-schen Epoche geblieben war, aufgehört, das Maß aller Dingezu sein. Das Streben der Wirtschaftssubjekte ist vielmehr aufmöglichst hohen Erwerb und möglichste Blüte des Geschäftsgerichtet: zwei Dinge, die im engsten unlöslichen Zusammen-hange miteinander stehen, wie wir gleich sehen werden- Andzwar ist ihre Beziehung zueinander diese: daß die Anter-nehmer die Geschäftsblüte anstreben wollen und den Erwerbbetreiben müssen (auch wenn sie ihn gar nicht mit Bewußt-sein als Ziel sich vorgesetzt haben).
Was überall als das lebendige Interesse des Anternehmensdurchscheint, ist gewiß nicht immer — und sicher nicht bei denführenden Persönlichkeiten, die den Typus bestimmen - dasGewinnstreben. Ich glaube, Walther Nathenau hat durch-aus recht, wenn er einmal sagt: „Ich habe noch niemals einenGeschäftsmann gekannt, dem das Verdienen die Hauptsacheseines Berufes war, und ich möchte behaupten, daß, wer ampersönlichen Geldgewinn hängt, ein großer Geschäftsmann über-haupt nicht sein kann" ^"). Was jedem Anternehmer vielmehrimmer am nächsten am Herzen liegt, das ist etwas anderes; das,was ihn ganz erfüllt, ist das Interesse an seinem Geschäft. Das