226 Vierter Abschnitt: Der Bourgeois einst und jetzt
beimessen. Für Siegfried hat die Macht keinen Reiz, wohlaber für Mime. Bismarck hat sicher niemals sich viel um dieMacht gekümmert, die er selbstverständlich ausübte, wohl aberhat Lassalle kein stärkeres Sehnen erfüllt, als das Streben nachMacht. Ein König hat die Macht, deshalb ist sie für ihnkein großer Wert: ein kleiner Händler von der polnischenGrenze, der einen König, weil dieser Geld von ihm braucht,antichambrieren läßt, sonnt sich in seiner Macht, weil sie ihminnerlich fehlt. Ein Anternehmer, der über 10000 Menschenkommandiert und sich dieser Macht freut, gleicht dem Knaben,der seinen Äund immerfort zum Apportieren zwingt. And wennnun weder das Geld noch sonst ein äußeres Zwangsmittel unseine unmittelbare Macht über Menschen verleiht, so begnügenwir uns mit dem stolzen Bewußtsein, die Elemente bezwungenzu haben. Daher die kindliche Freude unserer Zeit an neuen„epochemachenden" „Erfindungen", daher die merkwürdige Be-geisterung beispielsweise für die „Beherrschung der Lust" durchdie Flugtechnik.
Einem Menschen, dem es
„eingeboren.Daß sein Gefühl hinauf und vorwärts dringt.Wenn über uns im blauen Raum verlorenIhr schmetternd Lied die Lerche singt ..."
— dem wird es keinen übermäßig großen Eindruck machen, wennnun Benzinmotoren in der Luft herum knattern. Ein wirklich großesGeschlecht, das mit den tiefen Problemen der Menschenseeleringt, wird nicht sich groß fühlen, weil ihm ein paar technischeErfindungen geglückt sind. Es wird diese Art von äußerlicherMacht gering schätzen. Ansere Zeit aber, der alle wahre Größeabgeht, ergötzt sich wie das Kind gerade an dieser Macht undüberwertet diejenigen, die sie besitzen. Weshalb die Erfinder unddie Millionäre heute am höchsten im Ansehen der Masse stehen.