2Z2 Vierter Abschnitt: Der Bourgeois einst und jetzt
von Geschäftsgrundsätzen, die alle den einen Zweck haben, dasPublikum zum Kaufen zu veranlassen.Ich nenne die wichtigsten:
c) Der Kunde wird aufgesucht und angegriffen,wie man es nennen könnte: ein Grundsatz, der aller modernenGeschäftsführung ebenso selbstverständlich eigen ist, wie er allerfrüheren, auch noch der frühkapitalistischen, wie wir sahen, fremdwar. Der Zweck, den man verfolgt, ist: 1. die Aufmerksamkeit;2. die Kauflust der Kunden zu erregen. Das erste geschiehtdadurch, daß man ihnen möglichst laut in die Ohren schreitoder mit möglichst grellen Farben in die Augen sticht. Dasandere sucht man dadurch zu erreichen, daß man ihnen die Äber-zeugung, die abzusetzende Ware sei außerordentlich gut oderaußerordentlich preiswert, zu suggerieren trachtet. Annötig zusagen, daß das Mittel zur Erreichung dieses Zweckes dieReklame ist. Annötig auch zu sagen, daß die rücksichtsloseVerfolgung dieses Zweckes alle Gefühle für Schicklichkeit,Geschmack, Anstand und Würde zerstören muß.
Daß die moderne Reklame in ihren letzten Konsequenzenästhetisch abstoßend, sittlich schamlos ist, ist heute eine zu selbst-verständliche Tatsache, als daß sie noch eines Wortes der Be-gründung bedürfte. Äier ist auch gewiß nicht der Ort, überWert oder Anwert der Reklame zu verhandeln. Vielmehrgalt es nur, sie als einen charakteristischen Zug in dem Gesamt-bild der modernen Wirtschaftsführung aufzuweisen.
ä) Die größtmögliche Verbilligung der Produktionund des Absatzes wird erstrebt, um durch wirkliche Vorteile dasPublikum anzulocken. Dieses Streben führt zu zahlreichen,unserem Wirtschaftsleben eigentümlichen Einrichtungen und Ge-pflogenheiten, die hier aufzuzählen ebenfalls nicht der Ort ist,da es sich für uns ja nur darum handelt, die Grundsätzeder Wirtschaftsführung zu ermitteln. Wir sahen, wie alle