Dreizehntes Kapitel: Der moderne Wirtschastsmensch 231
gleichgültig. Daher die Indifferenz des modernen Unternehmenssowohl gegen die Produktion von Schundwaren als gegen dieFabrikation von Surrogaten. Wenn mit schlechten Stiefelnmehr Profit erzielt wird als mit guten, so hieße es sich gegenden heiligen Geist des Kapitalismus versündigen, wenn mangute Stiefeln anfertigen wollte. Daß heute in manchenProduktionszweigen (chemische Industrie!) eine Bewegung ein-gesetzt hat, die auf eine „Äebung der Qualität" abzielt, beweistebensowenig etwas gegen die Richtigkeit des eben geäußerten Ge-dankens, wie etwa das Bemühen der Warenhausbesitzer, durchPrämienverteilung an die Angestellten den Verkauf der teuererenArtikel zu befördern. Es beweist vielmehr nur, daß in solchenFällen das kapitalistische (Profit-) Interesse in der Richtungder Qualitätsproduktion oder des Absatzes wertvollerer Gegen-stände sich zu bewegen angefangen hat. In dem Augenblicke,in dem ein Unternehmer einsehen würde, daß ihm die Be-günstigung der qualitativ höher stehenden Waren Schadenbrächte, würde er natürlich sofort die minder gute Ware wiederherstellen oder vertreiben. Was ja im Grunde selbstverständlicherscheint, sobald man mit den Augen des kapitalistischen Unter-nehmers die Welt anzusehen sich bequemt.
Da die Größe des Absatzes über die Äöhe des Profitsentscheidet, da aber, wie wir sehen, es dem Erwerbsstrebeneigentümlich ist, die Möglichkeiten der Profiterzielung so sehrwie irgend tunlich auszuweiten, so ist also das Sinnen undTrachten des modernen Unternehmers notwendig auf die un-ausgesetzte Vergrößerung des Absatzes gerichtet, die auch nochdeshalb ihm am Äerzen liegt, weil sie ihm mannigfache Vor-teile im Konkurrenzkampfe gewährt. Dieses krampfhafte Strebennach Erweiterung des Absatzgebietes und Vermehrung derAbsatzmengen (das als die stärkste Triebkraft im modern-kapitalistischen Mechanismus erscheint) zeitigt dann eine Reihe