Dreizehntes Kapitel: Der moderne Wirtschaftsmensch 233
frühkapitalistische Wirtschaftsgesinnung den billigen Preisenabhold war, wie in ihr die Maxime galt: an wenigen Ge-schäften viel zu verdienen. Dem gegenüber ist heute das Ziel:an vielen Geschäften wenig zu verdienen, was sich in dem Leit-satze ausspricht, der das heutige Wirtschaftsleben in allen seinenZweigen beherrscht: großer Amsatz — kleiner Nutzen.
e) Ellbogenfreiheit wird gefordert, um die dem Erwerbs-streben gesteckten Ziele ungehindert erreichen zu können. Indieser Ellbogenfreiheit steckt erstens die formelle Freiheit, tunund lassen zu können, was man im Geschäftsinteresse für not-wendig erachtet. Man wünschte keine Beschränkung durch dasRecht oder die Sitte; man wünschte keine Amfriedung andererWirtschaftssubjekte, sondern will das Recht haben, jeden anderenniederkonkurrieren zu können, wenn das eigene Bedürfnis eserheischt (dafür verzichtet man auf den eigenen Schutz); manwünscht nicht, daß der Staat oder etwa eine Vertreterschaftder Arbeiter seine Hand bei der Gestaltung der Arbeitsverträgeim Spiele habe. Alle „Gebundenheit" der früheren Zeit wirdverabscheut. Die freie Betätigung der eigenen Kraft soll alleinüber den wirtschaftlichen Erfolg entscheiden.
Zweitens steckt (materiell) in der Forderung der Ellbogen-freiheit die Idee eines völlig rücksichtslosen Erwerbes.Mit ihrer Herrschaft wird der Primat des Erwerbswertesüber alle anderen Werte anerkannt. Bindungen irgendwelcherArt, Bedenken irgendwelcher Art: sittliche, ästhetische, gemüt-liche gibt es nicht mehr. Wir sagen dann: der Handelnde ver-fährt „skrupellos" in der Wahl seiner Mittel.
Was rücksichtsloser Erwerb ist, lehrt uns heute am bestendas Vorgehen der großen amerikanischen Trusts. In letzterZeit haben uns die Schilderungen der Machenschaften derAmerican l'obacco Lompsn^ wieder einmal die in Deutsch-land und überhaupt in Europa noch nicht so allgemein an-