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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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2Z6 Vierter Abschnitt: Der Bourgeois einst und jetzt

und bereit sein,rücksichtslos Tausende von Opfern hinsterbenzu lassen".

Ein Mann, der sich selbst für einen sehrrückständigen"Unternehmer in dieser Äinsicht hielt, weil erzu gutmütig" sei,zu viele Bedenken" habe, Werner Siemens , ermahnt einmalseinen Bruder Karl zursmarten" Geschäftsführung mit fol-genden Worten:Sei nur immer streng und rücksichtslos- Dasist in einem so großen Geschäft nötig. Fängst du erst einmalan, auf Privatverhältnisse Rücksicht zu nehmen, so kommstdu in ein Labyrinth von Ansprüchen und Jntrigen hinein".(Brief vom 31. März 1856.)

4. Die bürgerlichen Tugenden.

Was ist aus ihnen geworden, die wir als so wesentliche Bestand-teile beim Aufbau des kapitalistischen Geistes erkannt hatten?Äaben Fleiß, Sparsamkeit, Ehrbarkeit, Inäusti^,fi-UAaIit>, nonest/noch heute eine irgendwelche Bedeutung für die Gesinnungs-bildung des kapitalistischen Anternehmers? Die Frage ist nichtohne weiteres zu bejahen, aber ebensowenig auch zu verneinen.Weil nämlich die Stellung, die heute diese Tugenden" im Ganzendes wirtschaftlichen Gefüges einnehmen, eine grundsätzlich andereist, als sie in der frühkapitalistischen Epoche war. Jene Begriffehaben freilich aufgehört, wesentliche und notwendige Tugendendes kapitalistischen Anternehmers zusein; aber darum haben siekeineswegs ihre Bedeutung für die Gestaltung der Wirtschafts-führung verloren. Sie sind nur aus der Sphäre persönlicherWillensbetätigung herausgetreten und sind zu Sachbestandteilendes Geschäftsmechanismus geworden. Sie haben aufgehört,Eigenschaften lebendiger Menschen zu sein und sind statt dessenzu objektiven Prinzipien der Wirtschaftsführung geworden.

Das klingt sonderbar und bedarf einer Erklärung. Was ichmeine, will ich für jede einzelne der genannten Tugenden imbesonderen ausführen.