Dreizehntes Kapitel: Der moderne Wirtschaftsmensch 237
Zu der Zeit, als tüchtige und pflichttreue Geschäftsleute demjungen Nachwuchs den Fleiß als oberste Tugend eines erfolg-reichen Anternehmers priesen, da mußten sie bemüht sein, in dasTriebleben ihrer Schüler gleichsam ein festes Fundament vonPflichten hineinzubauen, mußten sie bei jedem einzelnen einepersönliche Willensrichtung durch Ermahnung hervorzurufen ver-suchen. And wenn die Ermahnung gefruchtet hatte, so arbeitetenun der fleißige Geschäftsmann in starker Selbstüberwindung seinPensum ab. Der moderne Wirtschaftsmensch kommt zu seinemRasen auf ganz andere Wege: er wird in den Strudel des wirt-schaftlichen Betriebes hereingezogen und wird mit ihm fortgerissen.Er übt nicht mehr eine Tugend, sondern steht in einem Zwangs-verhältnis. Das Tempo des Betriebes entscheidet über seineigenes Tempo. Er kann ebensowenig faul sein wie der Arbeiteran einer Maschine, während es der Mann mit dem Werkzeugin seiner Äand hat, ob er fleißig sein will oder nicht.
Noch deutlicher tritt die Objektivierung der „Tugend" Spar-samkeit zutage; weil sich hier die private Wirtschaftsführungdes Anternehmers von der Wirtschaftsführung seines Geschäftesvöllig trennt. Diese untersteht heute dem Sparsamkeitsprinzipmehr denn je. „Verschwendung ist auch im kleinsten zu be-kämpfen, ist nicht kleinlich, denn sie ist eine fressende Krankheit,die sich nicht lokalisieren läßt. Es gibt große Unternehmungen,deren Existenz davon abhängt, ob die mit Erde gefüllten Kipp-wagen rein entleert werden, oder ob eine Schaufel voll Sanddarin zurückbleibt" ^"). Bekannt ist die knickerige Sparsamkeit,die Nockefeller in der Geschäftsführung der Standard Oil Com-pany zur Anwendung bringt: die Metalltropfen, die beim Lötenvon den Kannen fallen, werden aufgefangen und wieder ver-wertet; der Kehricht auf den Äöfen wird, ehe er fortgeschafftwird, genau untersucht; die kleinen Kisten, in denen das Zinnaus Europa kommt, verkauft man an Blumenhändler in der