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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Vierter Abschnitt: Der Bourgeois einst und jetzt

Stadt, oder man benutzt sie zur Feuerung Aber an diesemSparfanatismus hat die Privatwirtschaft der Unternehmer selbernicht teil. Weder auf den Schlössern Walter Rathenausidem der obige Ausspruch entnommen war), noch auf denenRockefellers wird der Besucher Benjamin FranklinischenGeist verspüren und »fiuMlit^«, .Genügsamkeit" undMäßigkeit"richten nicht mehr die Tafeln unserer reichen Unternehmer her.Selbst wenn die Männer noch nach alt-bürgerlichem Stileweiterleben: die Frauen und Söhne und Töchter sorgen dafür,daß der Luxus und das Wohlleben und die Prachtentfaltungzu Bestandteilen bourgeoiser Lebensführung werde. Freilich:der Stil der Wirtschaftsführung wird auch beim reichen Bour-geois heute noch derbürgerliche" sein, wie ihn Alberti be-gründet hat: laßt nie die Ausgaben größer wie die Einnahmensein, hatte er seinen Schülern als letzte Weisheit mit auf denWeg gegeben. And rechnet! In beiden folgt jeder echte Bour-geois jenem großen Lehrer. And das wird ihn und seine Wirt-schaft immer vom Seigneur und der seinigen unterscheiden, inder man das Geld verachtet.

Endlich die kaufmännischeSolidität". Wer möchtezweifeln, daßsolide" Geschäftsführung auch heute noch und heutevielleicht mehr denn je einen unentbehrlichen Bestandteil derPraxis jedes großen Anternehmers ausmache. Aber wiederumist das Gebaren des Anternehmers als Menschen von demGebaren des Geschäftes völlig getrennt. Die Maximen derSolidität" sind heute ein Komplex von Grundsätzen, die nichtmehr das persönliche Verhalten eines Wirtschaftssubjekts, sonderndie Abwicklung geschäftlicher Beziehungen regeln sollen. Einsolider" Kaufmann kann persönlich durchaus moralisch minder-wertig sein; die Kennzeichnung alssolide" bezieht sich lediglichauf die von ihm getrennt gedachte Geschäftsführung. Diese istgleichsam losgelöst von dem persönlichen Gebaren des Geschäfts-