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EinleitungVierzehntes Kapitel: Das Problem
Das Problem: die Quellen des kapitalistischen Geistes auf-zuweisen, also die Beantwortung der Frage: woher kommt derkapitalistische Geist, kann zunächst in dem rein äußerlichen Sinnegefaßt werden, daß man darunter das äußerliche Erscheineneines kapitalistischen Anternehmers in einem Lande (wohin eretwa Handel treibt, oder wo er vielleicht ein Geschäft begründet)versteht, so daß man also zum Beispiel feststellt: der kapitalistischeGeist in China geht auf die Engländer zurück, oder: die Judenhaben den kapitalistischen Geist nach Magdeburg gebracht. Indiesem Sinne, in dem es also im wesentlichen ein historischesWanderungsproblem ist, soll das Problem der Entstehung deskapitalistischen Geistes hier nicht verstanden werden. Äier sollvielmehr die Frage aufgeworfen werden: wie entstand in denSeelen der Menschen eine kapitalistische Wirtschaftsgesinnung;wodurch wurde in den Wirtschaftssubjekten einer bestimmtenEpoche jener Geist lebendig, der sie die Strebungen haben, dieFähigkeiten entfalten, die Grundsätze befolgen ließ, die wir alsBestandteile des bourgeoisen Geistes kennen gelernt haben; washat die Entstehung, einmal und dann immer wieder, in jederGeneration von neuem, von Wirtschaftssubjekten mit bestimmterIdeenrichtung und bestimmter Geistesstruktur, mit einem be-stimmten Wollen und Können, bewirkt?
Nun muß ich freilich bemerken, daß manche Leute in demhier eben formulierten Problem gar kein Problem erblicken,weil sie es als selbstverständlich betrachten, daß der kapitalistischeGeist durch den Kapitalismus selber gebildet werde, weil sie indiesem Geist selbst gar nichts Substantielles, sondern nur gleich-sam eine Funktion der wirtschaftlichen Organisation zu erkennen
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