Vierzehntes Kapitel : Das Problem
249
höchstens durch ihr Beispiel ermunternd auf andere wirken kann,die aber diese Betätigungen kapitalistischen Geistes immer mitins Grab nimmt. Triebe und Talente können niemals außer-halb des lebendigen Menschen angehäuft werden; jeder einzelne,auch wenn tausend Jahre hindurch sie entfaltet sind, fängt immerwieder von vorne an. Tugenden und Fertigkeiten lassen sichaber trennen von der Einzelpersönlichkeit und lassen sichobjektivieren in Lehrsystemen.
Diese Lehrsysteme bleiben, auch wenn der einzelne Menschstirbt: in ihnen findet der später Geborene die Erfahrungen derfrüheren Geschlechter niedergelegt, von denen er selber Nutzenziehen kann. Die Lehre kann beliebig lange unbefolgt bleiben:ist sie nur irgendwie niedergeschrieben, so kann sie nach Gene-rationen plötzlich wieder in einem Leser Wurzel schlagen. Sowohldie Tugend- als auch die Fertigkeitslehren sind zeitlich undräumlich beliebig übertragbar. Diese unterscheiden sich vonjenen nur dadurch, daß ihr Inhalt mit jeder Generation wächst,weil die Erfahrungen, die technischen Fähigkeiten usw. sich an-häufen, während man von einer Tugendlehre nur in beschränktemSinne sagen kann, daß sie sich die Erfahrungen einer früherenzunutze macht.
Nach alledem leuchtet es nun wohl aber ein, daß die Ent-stehungsarten bei den verschiedenen Bestandteilen des kapita-listischen Geistes ganz und gar verschieden sind.
2. müssen wir, wenn wir den Quellen des kapitalistischen Geistes nachspüren, uns klar machen, daß dessen Entstehungs-bedingungen ebenso grundverschieden sind, jenachdenEpochender kapitalistischen Entwicklung. Vor allem ist auchhier der Unterschied zwischen der Epoche des Frühkapitalismusund der des Äochkapitalismus festzuhalten. Will man dieverschiedene Stellung, die das Wirtschaftssubjekt in jener undin dieser eingenommen hat, bezugsweise einnimmt, schlagwort-