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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Einleitung

artig kennzeichnen, so kann man sagen: in der Epoche des Früh-kapitalismus macht der Anternehmer den Kapitalismus, inder des Äochkapitalismus macht der Kapitalismus den Unter-nehmer. Man muß bedenken, daß in den Anfängen des Kapi-talismus die kapitalistischen Organisationen noch ganz vereinzeltsind, daß sie vielfach von nicht kapitalistischen Menschen erstgeschaffen werden; daß in ihnen der Stock von Kenntnissenund Erfahrungen gering ist, daß auch diese erst erworben, er-probt, gesammelt werden müssen; daß in den Anfängen dieMittel zum Betriebe einer kapitalistischen Unternehmung erstmühsam beschafft werden, daß die Grundlagen des Vertrags-systems durch langsames Vordringen von Treu und Glaubenerst gelegt werden müssen usw. Wieviel mehr Willkür kann,wieviel mehr freie Initiative muß der einzelne Anternehmerentfalten. Die heutige kapitalistische Organisation ist, wie esMax Weber treffend ausgedrückt hat, ein ungeheurer Kosmos,in den der einzelne hineingeboren wird und der für ihn, wenigstensals einzelnen, als faktisch unabänderliches Gehäuse, in dem erzu leben hat, gegeben ist. Er zwingt dem einzelnen, soweit erin den Zusammenhang des Marktes verflochten ist, die Normenseines wirtschaftlichen Handelns auf. Der einzelne steht aber aucheinem ungeheuren Berg von Erfahrungen gegenüber, die ihn zuerdrücken drohen: die Methoden der Buchführung, des Rechnungs-wesens, der Löhnung, der Betriebsorganisation, der Geschäfts-technik usw. sind so verfeinert, daß ihre Anwendung allein Arbeitund Mühe macht, während sie selbst längst von Berufsmenschenfür den kapitalistischen Anternehmer weitergebildet werden.

Llnter welch anderen Verhältnissenentsteht" also kapita-listischer Geist einstmals und heute!

Alle diese Unterschiede müssen aber selbstverständlich in Be-tracht gezogen werden, wenn wir unser Problem auch nurleidlich gut lösen wollen.