Vierzehntes Kapitel: Das Problem
251
Am den ungeheuren Stoff, der dem Forscher so reichlichzufließt, daß er in ihm manches Mal zu ersticken fürchten muß,im eigenen Denken und für die Darstellung zu ordnen, stehenuns zwei Wege offen: entweder wir können die Entstehungs-gründe für die einzelnen Bestandteile des kapitalistischen Geistesder Reihe nach ermitteln, so daß wir also erst untersuchen: washat den Golddurst erzeugt, dann: was hat den Anternehmungs-geist in seinen verschiedenen Äußerungsformen befördert, dann:was hat die bürgerlichen Tugenden entstehen lassen und so fort.
Oder wir können die verschiedenen Arsachenkomplexe auf ihremannigfachen Wirkungen hin prüfen.
Der erste Weg führt notwendig zu unausgesetzten Wieder-holungen und ist deshalb ermüdend. Ich wähle darum denzweiten, der erheblich abwechslungsreicher ist und — wenn auchmit einigen Amwegen (die ja oft der größte Reiz der Wande-rung sind) — ebenso sicher zum Ziele führt.
Die folgende Einteilung des Stoffes ist also so zu ver-stehen: daß ich in einem ersten Abschnitte die biologischenGrundlagen festzulegen suche, auf denen alle kapitalistischeGeistesgeschichte sich aufbaut. Das für die Aufnahme deskapitalistischen Geistes als geeignet erkannte Menschentum wirdnun den kapitalistischen Geist in dem Maße in sich aufnehmenund betätigen — sei es durch Einflüsse von außen her, sei esdurch Auslese — als bestimmte moralische Kräfte sich wirksamerweisen (zweiter Abschnitt) und als bestimmte soziale UmständeEinfluß gewinnen (dritter Abschnitt). Die Aufgabe, die wir unsalso in dem zweiten und dritten Abschnitt stellen, ist die, nach-zuweisen: wie durch äußere Einwirkung aus dem disponiertenMenschenmaterial Individuen mit kapitalistischer Geistesrichtunggebildet werden. And zwar verfolgen wir sämtliche Ein-wirkungen, die in diesem Sinne ein bestimmter Arsachenkomplexausübt, von den Anfängen seiner Wirksamkeit bis zum heutigen