Sechzehntes Kapitel: Die Veranlagung der Völker
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goten vorfanden, als sie die Pyrenäenhalbinsel besiedelten^").Sie und die Goten sind es denn wohl gewesen, die die Ent-wicklung des kapitalistischen Geistes hintanhielten, nachdem sichdessen Kraft in einer Reihe von heldenhaften und abenteuer-lichen Beutezügen erschöpft hatte. Alles was kapitalistischesWesen in Spanien und Portugal verbreiten half, gehörte wohlkeinem der beiden Stämme an, war vielmehr jüdischen odermaurischen Geblüts.
Aber uns interessieren mehr als die unterveranlagten diekapitalistisch überveranlagten Völker Europas .
Anter diesen lassen sich wiederum deutlich zwei Gruppenunterscheiden: diejenigen Völker, die für das großzügige Gewalt-Unternehmertum, für die Freibeuterei, eine besondere Ver-anlagung hatten und diejenigen, deren Befähigung vielmehr ineiner erfolgreichen friedlichen Handelstätigkeit lag, die aber auch(infolgedessen oder wenigstens im Zusammenhange mit dieserVeranlagung) eine Hinneigung zur Bürgerlichkeit besaßen. Ichwill jene erste Gruppe Heldenvölker, diese andere Händlervölkernennen. Daß diese Gegensätze nicht etwa „sozialer" Naturwaren, wie unsere Milieufanatiker in allen solchen Fällen ohnePrüfung annehmen (weil ja nichts Unterschiedliches im Bluteliegen darf, da man sonst das geliebte Gleichheitsideal in derZukunft schlechterdings nicht verwirklichen könnte), lehrt einBlick auf die Geschichte dieser Völker. Diese belehrt uns, daßdie soziale Schichtung unmöglich der Grund der verschiedenenGeistesrichtung sein kann, da sie in den meisten Fällen erst dasErgebnis des Zusammenlebens jener beiden gegensätzlich ver-anlagten Völker ist; sie belehrt uns aber auch, daß die Händler-völker in keiner sozialen Schicht je Helden lin dem weitestenVerstände) erzeugt haben: wohl verstanden nur in der Zeit derwesteuropäischen Geschichte, in die sie mit ihrem festgefügtenVolkscharakter eintreten.