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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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274 Erster Abschnitt: Die biologische» Grundlagen

Was die Florentiner zu Händlern, mehr: zum ersten undgrößten Händlervolk des Mittelalters gemacht hat, war dasetruskische und griechische (orientalische) Blut, das inihnen floß.

Wie stark sich etruskisches Wesen durch die Römerzeit hin-durch in den Bewohnern Toskanas erhalten hat, dafür fehltuns jede Möglichkeit der Schätzung. Nach guten Sachkennernsoll gerade die Stadt Florenz nur in geringem Maße ihrenetruskischen Charakter eingebüßt haben ^). Daß das etruskischeBlut einen wichtigen Bestandteil des Florentiner Blutes gebildethabe, darüber besteht kein Zweifel. Nun waren aber dieEtrusker^) neben Phöniziern und Karthagern das eigentlicheHandelsvolk" des Altertums, dessen Geschäftsgebaren, sovielwir von ihm wissen, dasselbe war, das später die Florentinerkennzeichnete: der Schwerpunkt ihres Handels lag seit dem 5.,spätestens dem 4. Jahrhundert im friedlichen Landhandel, nament-lich mit den nördlich von ihnen wohnenden Völkern. DiesenHandel besorgten sie auch nach der Kolonisation des Landesdurch die Römer , die lange Zeit allen Handel verschmähten unddie einheimische Bevölkerung ruhig den gewohnten Handel weitertreiben ließen.

Den allgemeinen Geist dieses Händlervolkes bezeichnen diebesten Kenner als rational, alspraktisch" in seinem Wesen:

Mit diesem praktischen Sinn durchdringen sich seit den ältestenZeiten religiöse Ideen . . jene alte Phantasie . . wird hier genötigt,sich konsequenter zu bleiben und in engere Schranken eingeschlossen;es gestaltet sich ein in sich wohlzusammenhängendes System . . .Götter und Menschen werden zu einem Staate vereinigt und einVertrag zwischen ihnen aufgerichtet, kraft dessen die Götter in be-ständigem Verkehr mit dem Menschen ihn warnen und lenken, aberauch dem starken Menschenwillen mitunter nachzugeben bewogenwerden. Aus den Ideen dieses Verkehrs . . wird eine Ordnungdes öffentlichen und alltäglichen Lebens gebildet, die mit bewunderns-