Sechzehntes Kapitel: Die Veranlagung der Völker
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zuteilt, ohne sie zu überlisten und zu beschwätzen, istkeineswegs ganz abzuweisen^)." „Ohne sie zu überlisten undzu beschwätzen": so übersetzt Otto Neurath »sine vanitateimpertiens« frei, aber treffend. In meiner Terminologie:Eroberer-Anternehmer sein, das mag allenfalls hingehen;Äändler-Anternehmer sein: unmöglich für den, der etwas aufsich hält.
Zu den Römern gesellen sich dann einige der germanischenStämme, die offenbar von gleichem Geiste beseelt sind: es sindvor allem die Normannen, die Langobarden, die Sachsen und die Franken. Ihnen soweit nicht den Römern verdankenebenso die Venetianer wie die Genuesen, die Engländer wiedie Deutschen sei es ihr freibeuterisches, sei es ihr grundherr^schaftliches Anternehmertum.
Für die eigenartige Veranlagung dieser Stämme gewinnenwir nun aber erst das richtige Verständnis, wenn wir sie mitsolchen Völkern vergleichen, die zwar ebenso stark, aber in ganzanderer Weise für die Entfaltung kapitalistischen Wesens ge-eignet waren: mit den Kändlervölkern, in denen also vorallem die Fähigkeit schlummerte, durch friedliche Vertrag-schließung, durch geschicktes Eingehen auf den Gegenpart, aberauch durch übertragene Rechenkunst gewinnbringende Geschäftezu machen. Welche europäischen Völker hauptsächlich diese Seitedes kapitalistischen Geistes zur Entwicklung gebracht haben, sahenwir bereits: es sind die Florentiner, die Schotten und die Juden.Äier gilt es, dafür Belege anzuführen, daß die eigenartige Be-tätigung dieser Völker in der historischen Zeit wahrscheinlich
denn mehr als eine Wahrscheinlichkeit nachzuweisen, gestattetuns das überlieferte Beweismaterial nicht — auf eine eigen-artige Arveranlagung zurückzuführen ist, die sie bzw. die in ihnenzur Vorherrschaft gelangenden Elemente schon besaßen, als siein die Geschichte eintraten.