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Zweiter AbschnittDie sittlichen Mächte
Siebzehntes Kapitel: Die Philosophie
Äöenn wir den Begriff der ethischen Orientierung so weitfassen, daß wir die religiöse Verankerung moralischer Wertungeneinbeziehen, so ergeben sich als höhere sittliche Mächte, denenunser Handeln Richtung und Ziel verdanken kann (wenn wiralso von der „Volkssitte" absehen): Philosophie und Religion.Sie sind es denn auch, deren Einwirkung auf die Psyche derWirtschaftssubjekte, deren Mitwirkung bei der Herausbildungdes kapitalistischen Geistes im folgenden zur Darstellung ge-bracht werden sollen: also zunächst die der Philosophie.
Es sieht fast wie ein Scherz aus, wenn in der Geistes-geschichte des modernen Wirtschaftsmenschen als eine derQuellen, aus denen der kapitalistische Geist gespeist worden ist,die Philosophie bezeichnet wird. Trotzdem hat sie ohne Zweifelihren Anteil am Aufbau dieses Geistes, wenn es auch freilichnur — wie sich leicht denken läßt — die mißratenen Kinderder großen Mutter gewesen sind, von denen sich die Seelenkapitalistischer Unternehmer haben belehren lassen. Es ist die„Philosophie des gesunden Menschenverstandes", ist der Atili-tarismus in allen seinen Schattierungen, der ja im Grundenichts anderes ist als die in ein System gebrachte „bürgerliche"Weltanschauung, auf die wir mehr als einen unserer Gewährs-männer, deren Ansichten wir kennen gelernt haben, sich berufensehen. Auf utilitaristische Gedankengänge läßt sich ein guterTeil der kapitalistischen Tugendlehre und der kapitalistischen Wirtschaftsregeln zurückführen. Gerade die Ansichten der beidenMänner, die die frühkapitalistische Epoche mit ihren Schriften