Siebzehntes Kapitel: Die Philosophie
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einleiten und beschließen: L. B- Alberti und B. Fr an kl in,sind Atilitarier von reinstem Geblüt. Sei tugendhast, so wirstdu glücklich: das ist die Leitidee ihres Lebens. Tugend istWirtschaftlichkeit, tugendhaft leben, heißt haushalten mit Leibund Seele. Deshalb ist die Nüchternheit: bei Alberti die»Lobrietü« (1c. p. 164), bei Franklin die »truMlitx« die höchsteTugend. Frage immer, was dir nützlich ist, dann wirst du eintugendhaftes, das heißt also ein glückliches Leben führen. Amaber zu wissen, was dir nützlich ist: höre auf die Stimme derVernunft. Die Vernunft ist die große Lehrmeisterin desLebens. Alles, was wir uns vorsetzen, können wir mit Äilfeder Vernunft und Selbstüberwindung erreichen. VollständigeRationalisierung und Ökonomisierung der Lebensführung ist alsodas Ziel des Weisen '««).
Woher nahmen diese Männer solche Ansichten, die sie doch— Wollhändler und Buchdrucker, die sie waren nicht selbsterdacht haben konnten. Bei Benjamin Franklin mag man aneine der vielen empiristisch-naturalistischen Philosophien denken,die damals schon in England im Schwange waren. Bei denQuattrocentisten können wir ganz deutlich den Einfluß desAltertums wahrnehmen. Insoweit wir also in Albertis undanderer Männer jener Zeit Schriften die ersten systematischenDarstellungen kapitalistischer Gedankengänge vor uns haben,müssen wir, insoweit der Inhalt dieser Schriften wiederum vonder eben gekennzeichneten Philosophie beeinflußt worden ist, denGeist der Antike, und zwar, wie wir einschränkend sagen können:den Geist der Spätantike, als eine der Quellen des kapi-talistischen Geistes ansprechen.
Daß ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den Wirt-schaftsideen des italienischen Frühkapitalismus und den Ansichtender Alten besteht, läßt sich auf verschiedene Weise nachweisen.(An den durch die Lehren der Kirche vermittelten Zusammenhang