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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zweiter Abschnitt: Die sittlichen Mächte

denke ich hier natürlich nicht). Es würde fast schon die Er-innerung genügen, daß jedermann, der etwas auf sich hielt, injener Zeit des Rinascimento die Schriftsteller des Altertumslas und sich in seinen eigenen Schriften tunlichst an die Lehr-meinungen jener anschloßt).

Aber wir brauchen uns mit diesem Wahrscheinlichkeitsbeweisnicht zu begnügen, da wir genügend viel Zeugnisse für die Tat-sache haben, daß die Männer, die in Italien damals über wirt-schaftliche Dinge schrieben und die kapitalistischen Gedanken zuerstsystematisch entwickelten, in der Literatur des Altertums wohlbejchlagen waren. In den Familienbüchern Albertis sinddie Verweisungen auf die antiken Schriftsteller sehr häufig.Er zitiert: Äomer, Demosthenes, Tenophon, Virgil, Cicero ,Livius, Plutarch, Plato, Aristoteles , Varro, Columella, Cato,Plinius; am meisten Plutarch, Cicero , Columella.

Ein anderer Florentiner Kaufmann des Quattrocento, Giov.Ruccellai, führt Belege für seine kaufmännischen Regeln anaus: Seneca, Ovid, Aristoteles, Cicero, Salomon, Cato, Plato ^).

Daß die öfters von uns zu Rate gezogenen Landbauschrist-steller des Cinquecento und Seicento alle auf den römischen8criptore8 rei rusticse fußten, versteht sich von selbst.

And der Ääufigkeit dieser Verweisungen entspricht nun auchdie Übereinstimmung der Ansichten und Lehrmeinungen, die wirzwischen den Alten und unseren Florentiner Wirtschaftsmenschenbeobachten können. Selbstverständlich muß man sich den Zu-sammenhang nicht so denken, daß diese etwa die Systeme deralten Philosophie als Ganzes herübergenommen und darausihre Anschauungen logisch entwickelt hätten. Es waren ja keinePhilosophen, sondern Männer der Praxis, die vielerlei gelesenhatten und das Gelesene nun mit ihren eigenen Lebens-erfahrungen verbanden, um daraus Regeln für praktischesHandeln abzuleiten.