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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Achtzehntes Kapitel: Die Bedeutung der Religionfür den Menschen des Frühkapitalismus

1. Die Katholiken

Ä5ir haben feststellen können, daß die Wirtschaftsgesinnungder Florentiner Wollhändler in vielen Punkten bestimmt wurdedurch die mehr oder weniger philosophischen Ideen der altenSchriftsteller. Wir dürfen aber den Einfluß, der von dieserSeite her ausgehen konnte, nicht zu hoch einschätzen. Wirmüssen uns vielmehr gegenwärtig halten, daß er weit überragtwurde von dem Einflüsse, den die Religion und zwar zunächstdie katholische Religion auf das Denken und Handeln jenerMenschen ausgeübt hat. Fallen ja doch die Anfänge -desKapitalismus in eine Zeit, in der die Kirche das gesamte sozialeLeben ihren Regeln unterworfen hatte; in der also jede Lebens-äußerung auch als eine Stellungnahme zu dem Kirchengesetze,den ethischen Anschauungen der Religion anzusehen ist: daskatholische Christentum war ja zur Grundlage der ganzen abend-ländischen Kultur geworden, die sich zu einerchristlichen Ein-heitskultur" (Tröltsch) gestaltet hatte. And diese alles Lebenbeherrschende Macht der Kirche erstreckte sich bis ins 15. Jahr-hundert hinein auf alle Geister: auch diejenigen, die sich Heraus-nahmen, selbständig zuphilosophieren", diedie Alten" lasenund nach deren Lehren ihr Leben einrichteten, würden von ver-schwindend wenigen Ausnahmen abgesehen- entsetzt gewesen seinbei dem Gedanken, daß sie sich damit in einen Widerspruch zuden kirchlichen Autoritäten gebracht hätten. Auch sie wolltenfromm und strenggläubig bleiben und gestatteten andern Mächtennur soviel Einfluß als verträglich war mit den Ansichten ihrerReligionsgemeinschaft. Das sehen wir z. B. deutlich an einemManne wie Alberti, der immer wieder seine Frömmigkeitund Kirchlichkeit beteuert und seine Schüler ermahnt, vor allem