Achtzehntes Kapitel: Die Bedeutung d, Religion f. d. Menschen usw. 293
Gott (wie ihn die katholische Kirche lehrte) zu dienen: „WerGott nicht fürchtet, wer in seiner Seele die Religion zerstörthat, den muß man in allen Dingen für schlecht halten. Mansoll die Kinder vor allem mit der größten Ehrfurcht gegen Gotterfüllen, da die Beobachtung der göttlichen Lehren ein wunder-bares Keilmittel gegen viele Laster ist"^°). So begründet erdenn seine Lehren immer wieder auf göttliche Gebote. Auchwenn er die Gedanken der Alten übernimmt, die z. B. die Be-triebsamkeit predigen, so untermauert er diese Lehren doch immermit religiösen Gründen: Gott hat nicht gewollt, daß irgend-ein Lebewesen müßig gehe, also darf es auch der Menschnicht-").
And was für die soicZis3nt „freien" Geister galt, galt natür-lich in erhöhtem Maße für die große Masse zumal der Wirt-schaftsmenschen. Selbst Italien war jedenfalls im 14. Jahr-hundert noch durchaus kirchlich gesinnt: erst im 15. Jahrhundertbeginnt der Skeptizismus^).
Besonderes Interesse bietet für uns die Tatsache, daß derreligiöse und kirchliche Eifer nirgends größer war als inFlorenz, diesem Bethlehem des kapitalistischen Geisteschristlicher Herkunft I). Toskana war während des frühenMittelalters die eigentliche Kochburg des Klerikalismus ge-wesen: hier sind die Beziehungen zwischen der Geschichte dereinzelnen Kirchen und der der verschiedenen Städte enger alsirgendwo sonst; hier ist das Mönchstum besonders zahlreich undbesonders betriebsam, dessen Orden, auch wenn sie anderswo be-gründet waren, sich in Toskana neu belebten; hier rühmt sichdie Bevölkerung der Ketzerei gründlicher abhold und reinerenGlaubens zu sein als anderswo Der beste Kenner der alt-florentiner Geschichte faßt sein Arteil über die Stellung Tos-kanas zu den kirchlichen Mächten in folgenden Worten zu-sammen 2"):