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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zweiter Abschnitt: Die sittlichen Mächte

maurisches Banner über den Zinnen einer iberischen Festewehte, kein anderes Ideal möglich und wünschenswert." AlleUnabhängigkeitskriege waren Religionskriege. Lafuente sprichtvon einemewigen und beständigen Kreuzzug gegen die Un-gläubigen" (cru?acj!l perpetua^ conswnte contra Io8 inkecieles):3700 Schlachten sollen gegen die Mauren geschlagen sein, ehesie vertrieben wurden. Aber auch nach ihrer Vertreibung be-hauptete das ritterlich-religiöse Ideal seine Herrschaft. Es prägtallen Kolonialunternehmungen der Spanier seinen Charakter auf;es bestimmt die innere Politik der Fürsten, Feudalismus undFanatismus verwoben sich zu einer Lebensauffassung, die schließ-lich in der nüchternen Welt der neuen Zeit keinen Platz mehrhatte. Spaniens Nationalheros wird der gewiß unkapitalistischesteTyp der Weltgeschichte: der letzte irrende Ritter, der liebens-würdige und sympathische Don Quichotte.

Ob der Katholizismus in Irland die Entwicklung deskapitalistischen Geistes hintangehalten hat, wird schwer fest-zustellen sein. In allen übrigen Ländern aber hat er auf dessenEntfaltung in durchaus entgegengesetztem Sinne gewirkt: er hatseine Entwicklung beschleunigt und gefördert. Das gilt vorallem für das Land, das für die frühkapitalistische Geschichte jaimmer an erster Stelle in Betracht kommt: für Italien . Wo-durch, so fragen wir uns, hat der Katholizismus diesen Einflußausgeübt.

Wenn ich im folgenden diese Frage zu beantworten ver-suche, so habe ich nicht im Sinn, von dem Anteil zu berichten,den die Päpste mit ihrer Finanzwirtschaft unzweifel-haft an der Begründung des kapitalistischen Wirtschaftssystemsund damit (indirekt) an der Ausbildung des kapitalistischen Geistes genommen haben. Dieser Anteil ist oft, auch von mirselber, zuletzt wieder von Jakob Strieder ^) festgestelltworden, und neues zu diesem Thema läßt sich kaum beibringen.