337
Einundzwanzigstes Kapitel: Der Judaismus
über die jüdische Religion und ihre Bedeutung für dasWirtschaftsleben, insonderheit für die Ausbildung des kapita-listischen Geistes, habe ich mich in meinem Iudenbuche ausführlichgeäußert, auf das ich deshalb auch den Leser verweise, fallsihm die folgende Darstellung lückenhaft erscheint.
Ich vertrete die an jener Stelle entwickelten Ansichten imwesentlichen heute noch, trotz der scharfen Kritik, die sienamentlich ab feiten zahlreicher Rabbiner erfahren haben, diebegreiflicherweise sich darüber aufregen mußten, daß einAußenstehender manche Züge ihrer Religion aufgedeckt hat,die ihnen als „Schönheitsfehler" erscheinen mögen. Nur einswill ich auf jene Kritiken antworten, die mir vorgeworfenhaben: ich hätte bestimmte Seiten der jüdischen Religion — wienamentlich den Mystizismus, der auch in ihr eine Stelle habe —übersehen. Ohne mich auf eine Prüfung der Frage einzulassen,inwieweit die Behauptung richtig ist, daß neben der Gesetzes-religion noch andere Bestandteile in der jüdischen Gesamt-religion enthalten sind: man soll doch erwägen, daß ich dieZusammenhänge habe aufdecken wollen, die zwischen demJudaismusundKapitalismus obwalten. Dazu brauchteich, selbst wenn die gesamte Iudenheit in ihrer Religion nochandere Glaubensartikel gehabt hätte als die von mir auf-gewiesenen, diejenigen Äußerungen des religiösen Gefühls nichtzu berücksichtigen, die für die Herausbildung des kapitalistischen Geistes offensichtlich gar nicht in Betracht kommen, wie bei-spielsweise etwaige mystische Regungen. Gerade so wie ich beider Darstellung der thomistischen Ethik mit vollem Bewußtseindie paulinisch-augustinische Liebes- und Gnadenlehre unberücksichtigtgelassen habe. Trotzdem sie zum offiziellen Katholizismusgehörte. Während der offizielle Judaismus seit Esras Zeiten