Zweiundzwanzigstes Kapitel: Der Anteil der sittlichen Mächte usw- Z59
Schnitzer macht. Das Maß kapitalistischer Fertigkeiten wirdnun bestimmt werden durch die Summe der aufgestapeltenTechniken einerseits, durch die Fähigkeit zu ihrer Erlernung undden Willen zu ihrer Erlernung andererseits. Von diesen ihrenAmfang bestimmenden Faktoren ist einer sittlichen Vervoll-kommnung nur der letzte fähig: der Wille zu ihrer Erlernung,mit anderen Worten der Fleiß. Die beiden anderen wiederumentziehen sich der Einwirkung durch sittliche Mächte: wievielFertigkeiten im Laufe der Zeit erfunden werden, hängt von derErfindungsgabe ab, die entweder da ist oder nicht; wie raschund wie leicht und wie vollkommen die Wirtschaftssubjekte siesich aneignen, dagegen von deren Begabung. Diese ist vonNatur verschieden groß. Ihr Durchschnitt ebenso wie ihrHöchstmaß können im Laufe von Generationen gleichfalls ge-steigert werden — durch Auslese. Diese Auslese bewirkenabermals nicht die sittlichen Kräfte.
Für die Entwicklung zahlreicher Bestandteile des kapita-listischen Geistes können wir also diese nicht verantwortlichmachen, selbst wenn sie in einer Volksgemeinschaft ihre Durch-schlagskraft noch in vollem Amfange bewahrt haben. Wieaber, wenn diese Voraussetzung entfällt, wie es zweifellos seitdem Ende der frühkapitalistischen Epoche bei den Christen-völkern der Fall ist? Wie, wenn in dieser Zeit der kapi-talistische Geist noch so grundstürzende Wandlungen vollzogenhat, wie wir festzustellen in der Lage waren? Wandlungen,die nur möglich gewesen sind unter Mißachtung aller von denchristlichen Sittenlehrern, mochten sie Katholiken oder Protestantensein, verkünde'en Geboten? Wandlungen, die auf der Durch-brechung aller der Schranken beruhen, die Katholizismus undProtestantismus für das Verhalten der Wirtschaftsmenschen ge-zogen hatten? Wandlungen, die nur mit einer einzigen Ethiknoch in Einklang zu bringen sind: der jüdischen? Wir werden