Dreiundzwanzigstes Kapitel: Der Staat
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Endlich ist der Staat ein bewußter Förderer des kapitalistischen Geistes geworden durch die Pflege des Schulwesens inallen seinen verschiedenen Höhenlagen. Wir haben die Ent-stehung von Anterrichtsanstalten in früheren Abschnitten diesesWerkes als ein Symptom für das Vorhandensein eines nachMenge oder Art eigentümlichen kapitalistischen Geistes ver-wertet: hier muß ihre Bedeutung als Quelle dieses Geisteshervorgehoben werden. Von den Rechenschulen an, die inFlorenz schon im 14. Jahrhundert begründet wurden, bis zuden Handelsschulen und Kandelshochschulen unserer Tage sinddie von öffentlichen Körperschaften ins Leben gerufenen An-stalten zur Verbreitung und zur Vertiefung des kaufmännischenWissens ebensoviele Pflanzschulen kapitalistischen Geistes ge-worden: hier ist vor allem die Rechenhaftigkeit ausgebildetworden, hier sind die Regeln für gute Geschäftsorganisationengelehrt worden usw.
Aber ich glaube, daß die Wirkungen, die der Staat, ohnees zu wollen, ausgeübt hat, für die Entwicklung des kapi-talistischen Geistes noch bedeutsamer gewesen sind als diejenigen,die er beabsichtigt hatte (und die oft genug gar nicht eingetretensein werden).
Wir wollen nicht vergessen, daß der Staat für die Ent-faltung des kapitalistischen Wesens in wichtigen Fällen vongroßer Bedeutung zunächst durch seine Nicht-Existenz ge-worden ist. Oder anders ausgedrückt — wenn man diesesParadoxon scheut, dem Staate eine Wirkung zuzuschreiben undgleichzeitig zu sagen, daß er nicht da ist —: die Eigenart derstaatlichen Verhältnisse hat zuweilen dadurch den kapitalistischen Geist zu höherer und rascherer Entfaltung gebracht, daß sie einGemeinwesen nicht oder erst spät zu einem machtvollen Groß-staat haben werden lassen. Ich denke an Staaten wie dieSchweiz oder Deutschland vor 1870. In diesen sind bestimmte