Zgg Dritter Abschnitt: Die sozialen Umstände
Die „Privilegierungen", die also alle auf demselben Grund-gedanken beruhen: durch Verheißungen materieller oder ideellerVorteile den Unternehmungsgeist rege zu machen, haben sehrverschiedene Formen angenommen: sie erscheinen als Monopoli-sierungen, also gleichsam als negative Privilegisierungen, indemhier ein Produktionsmonopol, dort ein Handelsmonopol, dortwiederum ein Verkehrsmonopol erteilt wird; sie treten alshandelspolitische Schutz- oder Vergünstigungsmaßregeln auf; sienehmen endlich die Gestalt direkter Prämiierungen an. Inseinem lDictionnaire zählt Sa Vary alle Prämien auf, mitdenen man die Unternehmungslust anzustacheln versuchte: Ver-leihung des erblichen Adels; Erlaubnis zur Naturalisation;Erlaß der Eingangszölle; zinslose Darlehen; Iahrespensionen;Braufreiheit; Äberlassung von Bauplätzen; Befreiung von derGewerbeaufsicht; Unterstützungen mit barem Gelde u. a. m.„Allen Erfindungen wurde durch Privilegium und Protektionzu Kilfe gekommen, des Königs Kasse stand gleichsam anMärkten und Landstraßen und harrte derer, denen nur irgend-eine Erfindung zu Gebote stand, um sie zu belohnen" (Hein-rich Laube ). Also Unterstützung und Beförderung jener„Projektenmacherei", von der ich weitläufig erzählt habe, durchden Staat!
Eine Belebung des Anternehmungsgeistes hat der Staatbeabsichtigt, und wohl auch in gewissem Amfange (in keinemsehr großen: denn zu jener Zeit, als das Ereignis, an das icheben zu erinnern im Begriffe bin, eintrat, war dieser Unter-nehmungsgeist schon stark genug, um der Förderung durch denStaat entraten zu können, den er vielmehr umgekehrt zu seinemFrontwechsel zwang) erreicht durch den Abbruch des merkan-tilistisch-zünftlerischen Systems und die Einführung der „Ge-werbefreiheit" in dem neuen Wirtschaftsrechte des 19. Jahr-hunderts.