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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Dreiundzwanzigstes Kapitel: Der Staat

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Was von dieser für unser Problem unmittelbar in Betrachtkommt, ist vornehmlich dieses:

Der Staat ist es, der vielerorts die Privaten an den Ohrenherbeizieht, damit sie sich als kapitalistische Unternehmer be-tätigen. Er stößt und treibt sie mit Gewalt und Überredung inden Kapitalismus hinein. Das Bild der körperlichen Nötigung,das ich hier gebrauche, ist der Schrift eines kameralistischenSchriftstellers des 18. Jahrhunderts entlehnt, der da meint:daß der plebs von seiner alten Leyer nicht abgehe, bis manihn bei Nase und Arme zu seinem neuen Vorteile hin-schleppe" °"). Wie Colbert seine besonders indolenten Lands-leute in Trapp zu bringen sucht, ist rührend anzusehen ^°).Ämter zahlreichen Unternehmungen während des 16. und 17. Jahr-hunderts in England steht als unmittelbar treibende Kraft, weilmit seinem Geldbeutel interessiert, der König (oder die Königin).In langen Zwiesprachen werden die Drake, die Raleigh vonihnen zu neuen Fahrten veranlaßt: so geht der letzte PlanNaleighs, noch einmal nach Guayana zu segeln, von dem geld-bedürftigen Jakob I. aus so sehen wir Karl I. seine Agentenim Lande herumschicken, um mit Industriellen gewinnbringendeVerträge abzuschließen^).

And dann haben wir des kunstvollen Systems von Privi-legierungen zu gedenken, mittels deren der merkantilistischeStaat vorhandene kapitalistische Interessen förderte, zum Lebendrängende, aber erst keimhaft schlummernde zur Entfaltungbrachte oder endlich erst die Keime solcher Interessen legte. Derganze Sinn dieser staatlichenPrivilegierungen" (im weitestenVerstände) kommt in einem Briefe des französischen zweitenHeinrichs vom 13. Juni 1568 vortrefflich zum Ausdruck: indemer mit dürren Worten ausspricht, daß seinePrivilegien undWohltaten" dietugendhaften und betriebsamen" Gewerbe-treibenden zu profitabeln Unternehmungen anspornen sollen^).