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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Dritter Abschnitt: Die sozialen Umstände

sellschaftlichen Gliederung seines Volkes einnimmt, wenn eretwa einen dem Geschäftsleben entfremdeten Adel begünstigtund die tüchtigsten Elemente der Bourgeoisie dadurch aus derkapitalistischen Welt ausmerzt, daß er sie in diesen Adelsstanderhebt. Auch hier wird im einzelnen Fall schwer festzustellensein, was Ursache, was Wirkung ist: ob die Abkehr von kapita-listischen Interessen durch die Nobilitierung erst hervorgerufenwird, oder ob diese nur die äußere Anerkenntnis einesschon innerlich in der Bourgeoisie vollzogenen Feudalisierungs-prozesses ist.

Diesen Hemmungen steht nun aber die gewaltige Förde-rung gegenüber, die der Staat auf alle mögliche Weisen demkapitalistischen Geiste angedeihen läßt.

Zunächst weil er ihn sördern will: hierher gehören alsoalle staatlichen Maßnahmen zugunsten der kapitalistischen Interessen.

Der Staat ist selbst, wie wir wissen, einer der ersten kapita-listischen Unternehmer gewesen und auch immer einer der größtengeblieben. Dadurch wirkt er vorbildlich, wirkt er anregend aufden privaten Erwerbsgeist, wirkt er lehrhaft in allen Organisa-tionsfragen, wirkt er erzieherisch in den Fragen der geschäft-lichen Moral, Er übt einen Einfluß auf die Umbildung dersozialen Wertungen: indem er selber Geschäfte macht, nimmter den Makel von denschmutzigen Gewerben", der diesen inaller vorkapitalistischen Zeit anhaftet, erhebt er die »artessorciic^ael zum Range gentlemenliker Betätigungen.

Aber noch größeren Einfluß auf die Entwicklung des kapita-listischen Geistes gewinnt der Staat naturgemäß auf Umwegen:durch die Gestaltung seiner Wirtschaftspolitik. Äier müssenwir uns der zweifellos sehr großen Förderung erinnern, die diekapitalistischen Interessen durch die merkantilistische Politikwährend der Epoche des Frühkapitalismus erfahren haben.