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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Dreiundzwanzigstes Kapitel: Der Staat

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sein Geld gewinnbringend in öffentlichen Anleihen anlegen zukönnen, abermals die Entfaltung der Unternehmungslust ver-hindern oder doch wenigstens verlangsamen: sobald die reichenLeute anfangen, Renten zu kaufen, statt ihr Geld in kapita-listische Anternehmungen zu stecken, beginnt ihr geistiger Ver-fettungsprozeß.

Aus England, Frankreich , Kolland vernehmen wir im 17-und 18. Jahrhundert dieselben Klagen der kapitalismusfreund-lichen Männer: das Geld, das bestimmt wäre, Kandel und In-dustrie zu befruchten, endigt in den öffentlichen Schatzkammern,wo es hoch verzinst wird^).

Eine besonders wirksame Art, den Unternehmungsgeist zutöten, hat der Staat in Frankreich zur Anwendung gebracht,wo, wie wir im anderen Zusammenhange schon feststellen konnten,der Ämterkauf während langer Jahrhunderte eine das öffent-liche Leben geradezu in seiner Eigenart bestimmende Einrichtung ge-wesen ist. Die Form war eine andere als die öffentliche Schuld-verschreibung; die Wirkung war dieselbe: die reichen Leutewurden bequem und hörten auf, sich für kapitalistische Anter-nehmungen zu interessieren. Wobei dann nun sich besondersgut das Ineinandergreifen der verschiedenen, den kapita-listischen Geist beeinflussenden Kräfte beobachten läßt: der vomStandpunkt der kapitalistischen Begabung aus unterveranlagtefranzösische Volksgeist (den wir aus keltischer Blutsart glaubtenerklären zu sollen) schuf die Einrichtung des Ämterkaufs als seinemWesen gemäße Form der Geldverwertung; diese Einrichtungwirkte dann, nachdem sie einmal geschaffen war, lähmend, wiewir sehen, auf den Unternehmungsgeist; dadurch verkümmertendie etwa vorhandenen kapitalistischen Anlagen oder wurden diestärker unterveranlagten Varianten ausgelesen, wodurch dannwieder usw.

Ähnlich kann die Stellung wirken, die der Staat zu der ge°