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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Dritter Abschnitt: Die sozialen Umstände

triebener Fiskalismus den Anternehmungsgeist hemmen undschließlich ertöten kann. Sind die Steuern so hoch, daß sie denProfit allzusehr verkürzen, indem sie die Unternehmungen selbstzu stark belasten oder durch Steigerung der Löhne die Kon-kurrenz einer Industrie mit dem Auslande unmöglich machen,so wird sich die Lust, sein Geld als Kapital zu verwenden, all-mählich verringern. Es ist bekannt, daß man (Ranke) denwirtschaftlichen Niedergang" Spaniens seit dem 17. Jahr-hundert ebenso wie den raschen Verfall der holländischen In-dustrie während des 18. Jahrhunderts (Luzac und Prings-heim) mit dem übermäßig hohen Steuerdruck in diesen Ländernin Verbindung bringt. Ähnlich wie eine falsche Steuerpolitikkönnen wenn auch sicher nur in geringem Amfange falscheHandels- oder gewerbep.olitische Maßnahmen lähmend auf denAnternehmungsgeist einwirken. Auch eine überspannte Sozial-politik könnte diesen niederdrücken (hat es freilich bisher wohlkaum getan).

An einer anderen Stelle hat aber die Entwicklung desmodernen Staatswesens die Entfaltung des kapitalistischen Geisteszweifellos hintangehalten, ohne daß man der Staatsleitung sogarden Vorwurf machen könnte, einefalsche" Politik getriebenzuhaben. Das ist im Bereiche des öffentlichen Schulden-wesens. Ich habe bei einer anderen Gelegenheit^) denziffernmäßigen Nachweis geführt, welche ungeheure Summenseit dem Ende des Mittelalters namentlich für Kriegszweckein die Tresors der Staatsverwaltungen geflossen sind. DieseBlutentziehung nahm dem Wirtschaftskörper zunächst einenguten Teil seiner Kraft weg (wenn er auch später durch dieVerwendung jener Beträge zu produktiven Zwecken wieder ge-stärkt wurde). Nicht nur wurden die Sachmittel verringert,deren der Kapitalismus zur Durchführung seiner Pläne bedarf,sondern auch was uns hier angeht mußte die Möglichkeit,