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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Dritter Abschnitt: Die sozialen Umstände

schasten lebendig gewesen waren:gesellschaftliche" Bindungen(im Tönniesschen Sinne) wurden dadurch erstmalig ingrößerem Stile geschaffen, und diejenigen Bindungsmittel, aufderen Verwendung die kapitalistische Verkehrswirtschaft auf-gebaut ist: kaufmännische Solidität, Treu und Glauben, Zusagenauf lange Zeit hinaus und die Absicht, diese Zusagen zu halten,fanden nirgends so früh und so allgemeine Gelegenheit, zurAnwendung zu gelangen, wie in den großen Schuldenverwal-tungen der emporkommenden Städte und Staaten.

In ganz anderem Sinne haben diese dann belebend auf denkapitalistischen Geist gewirkt, wenn an sie wie wir sahendie ersten großen Spekulationsunternehmungen anknüpfen: derSüdseeschwindel in England, der Law-Schwindel in Frankreich ,die doch trotz oder gerade wegen ihresschwindelhaften"Charakters für das kapitalistischeGründer"tum von durch-schlagender Bedeutung geworden sind, wären ohne die eigen-artige und beträchtliche Entwicklung des öffentlichen Schulden-wesens nicht denkbar gewesen.

Endlich wollen wir eines Zweiges staatlicher Verwaltunggedenken, der scheinbar nichts oder wenig mit der Entwicklungdes kapitalistischen Geistes zu tun hat, der aber doch bei näheremZusehen sich als höchst bedeutsam für diese Entwicklung erweist:ich meine

3. die Kirchenpolitik.

In weiterem Sinne kann man als einen kirchenpolitischenAkt auch dieEmanzipation" der Juden betrachten, dessenWichtigkeit für die Herausbildung des hochkapitalistischen Geistesaußer Frage steht. Aber sie ist doch nicht dasjenige, an wasich in erster Linie denke, wenn ich die Kirchenpolitik der modernenStaaten mitverantwortlich mache für die raschere und allgemeinereAusbreitung des kapitalistischen Geistes und seine gleichzeitigeVertiefung. Das ist vielmehr die ganz wichtige Tatsache, daß