Vierundzwanzigstes Kapitel: Die Wanderungen Z85
diese Wanderungen für die Neugestaltung des Wirtschafts-lebens (was uns hier angeht) gehabt haben. And die läßt sichleicht ermessen, wenn man sich die Mühe nimmt, die Wirksam-keit der Emigranten in den Ländern ihrer Bestimmung zu ver-folgen. Da ergibt sich, daß sie überall am Aufbau desKapitalismus allerregsten Anteil nahmen, und daß im Bank-wesen und namentlich in der Industrie alle Länder den Ein-gewanderten eine wesentliche Förderung verdanken. Das imeinzelnen nachweisen, hieße eine Wirtschaftsgeschichte des 16.,17. und 18. Jahrhunderts schreiben. Aber ich will doch wenigstenseinige wichtige Tatbestände hervorheben, deren Kenntnis demLeser ganz gewiß dazu verhilft, den großen Anteil einigermaßenwenigstens zu erkennen, den die religionsverfolgten Wandereram Aufbau des kapitalistischen Wesens gehabt haben.
Die deutschen Staaten empfingen, wie man weiß, Flücht-linge in größeren Massen aus Osterreich, Schottland und Frankreich .Die Schotten und Franzosen kommen als Vertreter des kapitalistischen Geistes vornehmlich in Betracht.
Schotten kamen während des 16. und 17. Jahrhunderts nachOstpreußen und Posen in großen Scharen. Sie waren reformiertenund katholischen Bekenntnisses, aber in beiden Fällen verließen sieihre Äeimat, weil sie die Bedrückungen um ihres Glaubens willennicht ertragen konnten. (Wir erinnern uns, daß diese Völkerwelle auchdie Vorfahren Jmmanuel Kants ^Cants) an die preußische Küste ge-spült hat!) Die Schotten in Ostpreußen waren in der Mehrzahl „wohl-habend und intelligent" und galten als gefährliche Konkurrenten^).Aber auch ins Innere drangen sie vor: am Schlüsse des 16. Jahr-hunderts finden wir ansässige schottische Kolonien in Krakau , Brom-berg, Posen; überall waren die Schotten unter den angesehenstenKaufleuten. Im Anfang des 17. Jahrhunderts waren mehr alsdie Äälfte der Posener Großkaufleute Schotten; noch 1713 unter36 Mitgliedern der Kaufmannsinnung 8. In einer Petition derPosener Kaufleute an den Grafen Äoym vom I I. August 1795heißt es-"°):