Druckschrift 
Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
Seite
391
Einzelbild herunterladen
 

Vierundzwanzigstes Kapitel: Die Wanderungen Z91

Geist", der die Bewohner der Neuen Welt (die wir als re-präsentativ für alle übrigen Kolonisationsgebiete ansehen können)beseelt, ein ausgeprägt kapitalistischer ist, da ich schon festgestellthabe, was im Grunde jeder Leser weiß, daß die Amerikanerdiesen Geist in seiner einstweilen höchsten Vollendung vertreten.Bemerken will ich nur noch, daß Uns die heutige Seelenverfassungdes amerikanischen Wirtschaftsmenschen schon zu einer Zeit inihrer jetzigen Gestalt entgegentritt, als in Europa der Geist desFrühkapitalismus noch stark vorherrschte. Alle Berichte ausdem dritten, vierten und fünften Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts,deren wir eine ganze Fülle allerbester besitzen (TocquevillelChevalier! Fr. Löherl)^), zeichnen uns das Bild desdamaligen Amerikaners übereinstimmend in einer Weise, daßwir einen grundsätzlichen Unterschied zwischen der Wirtschafts-gesinnung damals und heute kaum machen können: Primat derErwerbsinteressen sinnlose Arbeit unbedingter, schranken-loser, rücksichtsloser Erwerb höchster ökonomischer Rationalis-mus: die charakteristischen Züge des hochkapitalistischen Geistes,die wir nun zur Genüge kennen, begegnen uns schon in demBilde des Amerikaners vor dem Bürgerkriege.

5 5

5

Wenn wir solchermaßen beobachten, daßder Fremde" derZugewanderte einen besonders ausgeprägten kapitalistischen Geist betätigt: ganz gleich in welcher Lage: ob in den altenKulturstaaten Europas , ob in den neuen Siedelungen; ganzgleich (bis zu einem gewissen Grade!) welcher Religion undNationalität: denn wir sehen Juden und Europäer, Protestantenund Katholiken, wenn sieFremde" sind, den gleichen Geistentfalten (die Franzosen in Louisiana standen schon um dieMitte des 19. Jahrhunderts den Angelsachsen der Neuengland-staaten um nichts nach ^') dann müssen wir zu der Annahme