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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Vierundzwanzigstes Kapitel: Die Wanderungen Z9Z

nicht faßt, sondern sich lieber daheim anzupassen sucht: diemeisten Hugenotten (vier Fünftel) blieben in Frankreich zurück,ebenso haben viele Juden im Osten jahrhundertelang verharrt,ehe sie sich in Bewegung setzten.

Vielleicht läßt sich dann auch feststellen, daß, als Ganzesbetrachtet, diejenigen Stämme, in denen die kapitalistischen Va-rianten häufig vertreten sind, die eigentlichen Wandervölkerbilden: die Etrusker (Lombarden I), die Juden, die Schotten,andere germanische Stämme (aus denen in Frankreich sich dieKugenotten bildeten), die Alemannen (Schweizer ) usw.

Daß die schon vor der Auswanderung höher gezüchtetenTypen dann, wenn sie sich in fremde Länder begeben, durch ihrebloße Zerstreuung mächtig zur (extensiven) Entfaltung deskapitalistischen Geistes beitragen, versteht sich von selbst: jedersolcher Auswanderer wirkt, wo er hinkommt, wie ein Gärstoffauf seine Umgebung. Während auf der anderen Seite diejenigenLänder, denen diese kapitalistisch veranlagten Individuen verlorengehen, notgedrungen eine Verringerung der kapitalistischen Spannung erfahren müssen: Spanien! Frankreich !

Aber was uns vor allem am Kerzen liegt, ist die Frage:ob und wodurch der Aufenthalt in der neuen Äeimat obund wodurch alsodie Fremde" als solche zur Entfaltungund Steigerung des kapitalistischen Geistes beiträgt.

Will man diesen zweifellos vorhandenen Einfluß auf eineeinzige Arsache zurückführen, so kann man sagen: die Wanderungentwickelt den kapitalistischen Geist durch den Abbruch alleralten Lebensgewohnheiten und Lebensbeziehungen,den sie im Gefolge hat. In der Tat ist es nicht schwer, alledie seelischen Vorgänge, die wir an demFremden" in derneuen Äeimat beobachten, auf diese eine entscheidende Tatsachezurückzuführen; auf die Tatsache also, daß für ihn die Sippe,das Land, das Volk, der Staat, in die er bis dahin mit seinem