394
Dritter Abschnitt: Die sozialen Umstände
ganzen Wesen eingeschlossen war, aufgehört haben, eine Wirklich-keit zu sein.
Wenn wir die Erwerbsinteressen bei ihm den Primat er-langen sehen, so müssen wir sofort begreifen, daß dies gar nichtanders sein kann, da ja eine Betätigung in anderen Berufenfür den Fremden nicht möglich ist: in dem alten Kulturstaatist er von der Teilnahme am öffentlichen Leben ausgeschlossen,das Kolonialland hat überhaupt noch keine anderen Berufe.Auch alles behagliche Sichausleben verbietet sich in der Fremde:die Fremde ist öde. Sie hat gleichsam für den Ankömmlingkeine Seele. Die Umgebung bedeutet ihm nichts. Höchstenskann er sie als Mittel zum Zweck — des Erwerbes benutzen.Diese Tatsache scheint mir von großer Wichtigkeit zu sein sürdie Herausbildung eines nur auf das Erwerben gerichtetenSinnes. Das gilt namentlich für die Neusiedelung auf Kolonial-land. „Ansere Bäche und Flüsse drehen Mühlräder und führenFlöße ins Tal wie die schottischen; aber keine Ballade, keineinfachstes Lied erinnert uns, daß Männer und Frauen auch anihren Afern sich fanden, liebten, auseinandergingen, daß unterjedem Dach in ihren Tälern Lust und Leid des Lebens emp-funden wurden"""): diese Klage eines Amerikaners aus denFrühzeiten drückt deutlich aus, was ich meine. Diese Be-obachtung, daß die einzige Beziehung der Yankees Zu ihrerAmgebung die der reinen praktischen Nutzbewertung ist (oderwenigstens früher war), ist oft schon gemacht worden, nament-lich von denen, die Amerika im Anfang des 19. Jahrhundertsbereisten.
Das Land wird von ihnen nicht betrachtet, sagt der eine,„als die Mutter der Menschen, der Äerd der Götter, das Grabder Väter, sondern nur als ein Werkzeug der Bereicherung".Für den Pankee, sagt Chevalier, gibt es keine Poesie derÖrtlichkeiten und materiellen Gegenstände, wodurch sie gegen