Vierundzwanzigstes Kapitel: Die Wanderungen
395
den Äandel geschützt werden. Der Turm seines Dorfes ist fürihn wie jeder andere Turm; den neuesten, bestbemalten hält erfür den schönsten. In einem Wasserfalle erblickt er nur dieWasserkraft zur Bewegung der Maschine. Löher versichert,der gewöhnliche Ausruf der Amerikaner, wenn sie den Niagara-fall zum ersten Male sehen, laute: „O allmächtige Wasserkraft!"And ihr vornehmstes Lob gehe dahin, daß er allen übrigenWasserfällen auf Erden an Triebkraft gleichkomme.
Es gibt für den Ausgewanderten — das gilt gleichermaßenfür den Emigranten wie für den Kolonisten — keine Ver-gangenheit, es gibt für ihn keine Gegenwart. Es gibt für ihnnur eine Zukunft. And wenn erst einmal das Geld in denMittelpunkt des Interesses gerückt ist, so erscheint es fast alsselbstverständlich, daß für ihn der Gelderwerb den einzigen Sinnwahrt als dasjenige Mittel, mit Kilfe dessen er sich seine Zu-kunft erbauen will. Gelderwerben kann er nur durch Aus-dehnung seiner Unternehmertätigkeit. And da er ein auserlesenTüchtiger, Wagemutiger ist, so wird sich sein schrankenloserErwerbstrieb also bald umsetzen in eine rastlose Anternehmer-tätigkeit- Auch diese folgt also unmittelbar aus der Wertlosig-keit der Gegenwart, der Überbewertung der Zukunft. Nochheute ist ja der Grundzug der amerikanischen Kultur das An-fertige, Werdende: alles ist auf die Zukunft gerichtet.
„And er weiß von allen Schätzen
Sich nicht in Besitz zu setzen.
Glück und Anglück wird zur Grille,
Er verhungert in der Fülle;
Sei es Wonne, sei es Plage
Schiebt er's zu dem andern Tage,
Ist der Zukunft nur gewärtig.
And so wird er niemals fertig."
And der Fremde ist durch keine Schranke in der Entfaltungseines Anternehmurgsgeistes gehemmt, durch keine persönlichen