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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Dritter Abschnitt: Die sozialen Amstände

Rücksichten: in seiner Umgebung, mit der er in geschäftlicheBeziehungen tritt, stößt er wieder nur auf Fremde. And unterFremden sind, wie wir schon festgestellt haben, überhaupt zuerstgewinnbringende Geschäfte gemacht worden, während man demGenossen half: zinstragende Darlehen gibt man nur demFremden, sagt noch Antonio zu Shylock , denn nur vomFremden kann man Zinsen und Stammsumme rücksichtslos zurück-fordern, wenn sie nicht bezahlt werden. Ein Fremdenrecht wardas jüdische Recht des Freihandels und der Gewerbefreiheit,wie wir sahen. Erst dieRücksichtslosigkeit", die man gegenFremde walten läßt, konnte dem kapitalistischen Geist sein modernesGepräge verleihen.

Aber auch nicht irgendwelche Schranken sachlicher Natur sinddem Unternehmungsgeist in der Fremde gesteckt. Keine Tra-dition I Kein altes Geschäft! Alles muß neu geschaffen werden,gleichsam aus dem Nichts: Keine Bindung an einen Ort: inder Fremde ist jeder Ort gleich, oder man vertauscht den einmalgewählten leicht mit einem anderen, wenn dieser mehr Gewinn-chancen bietet. Das gilt besonders wieder von den Siedelungenim Kolonialland.Äat jemand einmal Gewinnes halber dasungeheure Wagstück unternommen, sein Vaterland zu verlassen,über den Ozean zu fahren. . . Alles, was ihm gehört, auf einenWurf zu setzen: nun, so wird er um einer neuen Spekulationwillen eine neue Wanderung verhältnismäßig leicht unternehmen"(Röscher).

Daher wir schon frühzeitig bei den Amerikanern jene fieber-hafte Sucht nach Neugestaltung treffen:Wenn die Bewegungund die schnelle Folge von Empfindungen und Gedanken dasLeben ausmachen, lebt man hier hundertfach. Alles ist Zirku-lation, alles ist Beweglichkeit und vibrierende Lebendigkeit.Versuch folgt auf Versuch, Unternehmung auf Unternehmung"(Chevalier).