Vierundzwanzigstes Kapitel: Die Wanderungen Z97
Dieser fieberhafte Anternehmungsdrang verflüchtigt sich ineine starke Spekulationssucht. Auch diese stellen die früherenBeobachter in Amerika fest: „Alle Welt spekuliert, und manspekuliert in allem; aber nicht in Tulpen, sondern in Baum-wolle, Terrains, Banken und Eisenbahnen."
Aus alledem muß mit Notwendigkeit ein Zug folgen, derallem Wirken des Fremden, wiederum sei er Kolonist, sei erEmigrant, anhaftet: die Entschlossenheit zur vollendeten Aus-bildung des ökonomisch-technischen Rationalismus. Er mußdiesen durchführen, weil ihn die Not oder weil ihn sein Zu-kunftshunger dazu zwingen; er kann ihn leichter zur An-wendung bringen, weil ihm keinerlei Tradition hindernd imWege steht. So erklärt sich mühelos die Tatsache, die wir be-obachtet haben, daß die Emigranten in Europa die Fördererdes kommerziellen und industriellen Fortschritts wurden, wohinsie kamen. So erklärt sich nicht minder ungezwungen die be-kannte Erscheinung, daß nirgends so entschieden wie in Amerika die neuen technischen Erfindungen zur Anwendung gelangt sind:der Bau der Eisenbahnen, die Entwicklung des Maschinen-wesens sind in den Vereinigten Staaten rascher und allgemeinergefördert worden wie irgendwo sonst. Sehr richtig weistVogelstein darauf hin, daß nur die besondere Art dieserEntwicklung sich aus den kolonialen Verhältnissen des Landeserklären lasse: Weite der Entfernungen! Teuernis der Arbeits-kräfte! daß aber der Wille zum Fortschritt aus einer schonvorhandenen Geistesstimmung allein abgeleitet werden könne.Nun: diese Seelenverfassung, die den Fortschritt will, wollenmuß, ist die des Fremden, der „allein der Zukunft gewärtig"ist, und den keine Fessel an überkommene Methoden bindet.
Annötig zu sagen, daß nichtnur die Fremde diese Wirkungenauszuüben vermag: wenn ich einen Neger in die Fremde setze,wird er keine Eisenbahnen bauen und keine arbeitsparenden