Druckschrift 
Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
Seite
399
Einzelbild herunterladen
 

399

Fünfundzwanzigstes Kapitel: Die Gold- undSilberfunde

Sowohl als notwendige Voraussetzung als auch als un-mittelbares Förderungsmittel für die Enrwicklung des kapi-talistischen Geistes von großer Bedeutung ist die Ver-mehrung des Geldvorrats.

1. Eine Mindestmenge von Metallgeld ist zunächst unentbehrlichfür die Herstellung desjenigen Milieus, in dem sich kapitalistischerGeist allein entfalten kann: für die Ausbildung der Geld-wirtschaft. Erst nachdem die Geldwirtschaft zu der allgemeinenForm des Wirtschaftslebens geworden ist, vermag das Geld zuseiner allbeherrschenden Stellung zu gelangen, die wiederumVoraussetzung seiner Äochbewertung ist. Diese Äochbewertungdes Geldes aber ist, wie wir schon sahen, der Anlaß, dieallgemeine und unbestimmte Goldgier in Geldgier zu verwandelnund damit das Erwerbsstreben auf die Sucht nach dem Geldeeinzustellen. Die unbedingte Oberherrschaft hat das Geld inder europäischen Geschichte, wenigstens in einzelnen Ländern(Italien !) spätestens um die Mitte des 14. Jahrhundertserlangt, so daß wir es begreiflich finden, wenn damals die Geld-sucht bereits jenen Grad der Leidenschaftlichkeit erreicht hat,den wir festzustellen in der Lage waren (siehe Seite 34 ff.).

Ein denkwürdiges Zeugnis für die Allmacht des Geldes injener Zeit bietet uns eine wundervolle Stelle in PetrarcasBriefen, die ich zur Ergänzung des früher Gesagten hier nochin der Übersetzung mitteilen will, weil sie wohl das Beste ist,was jemals über die Macht des Geldes gesagt wurde, undweil sie meines Wissens nach keinem Wirtschaftshistoriker zuGesichte gekommen ist. Sie lautet ^):

Bei uns, lieber Freund, ist schon alles aus Gold: Lanzen undSchilde, Ketten und Kronen: durch Gold werden wir zusammen-