400
Dritter Abschnitt: Die sozialen Umstände
gefügt und gebunden, durch Gold sind wir reich, arm, glücklich, elend.Das Gold besiegt die Freien und befreit die Besiegten; es sprichtdie Missetäter frei, es verurteilt die Anschuldigen, es macht dieStummen beredt und die Beredtesten stumm. . . Das Gold machtaus Sklaven Fürsten, aus Fürsten Sklaven; es macht die Kühnenfurchtsam und verleiht den Feigen Mut; es verschafft den TrägenSorgen und schläfert die Betriebsamen ein. Es bewaffnet die Waffen-losen und entwaffnet die Bewaffneten, es zähmt ungezähmte Häupt-linge; es setzt großen Völkern zu; es schafft starke Äeere; es be-wirkt in wenigen Minuten die längsten Kriege; es gewährt und er-trotzt den Frieden; es trocknet Flüsse aus, durchquert die Länder,verbindet Meere, trägt Berge ab, sprengt den Zugang zu den Klöstern,greift Städte an, erobert Burgen, zerstört Festen. Wie wir beimCicero lesen: kein Platz ist so stark, daß ein goldbeladener Esel nichtden Weg hinein fände. Das Gold schließt Freundschaftsbünde,Trcuverträge und ehrenvolle Ehebündnisse, da es ja die Edlen unddie Starken und die Gelehrten und die Schönen, und — was staunstdu? — auch die Keiligen zu seinen Besitzern macht.
Daher werden die Reichen auch die vortrefflichen Männer imStaate geheißen werden und ihr Wort gilt in Ehren. Zu denArmen aber hat man kein rechtes Zutrauen, weil's ihnen am Gelde fehlt.
And wahr ist der Vers jenes Satirikers:„Wer Geld hat
„Auch Ehr' und Ansehen in der Welt hat."Schließlich — ungern spreche ich es aus, aber die Wahrheitzwingt mich dazu — nicht nur mächtig: allmächtig fast ist das Gold,und alles, was unter dem L>immel ist, unterliegt seiner Gewalt: demGolde dienstbar sind auch die Frömmigkeit und die Schamhaftigkeitund der Glaube, kurz jede Tugend und jeder Ruhm erkennen dasGold als Herrn über sich an. And selbst über unsere unsterblichenSeelen, Gott straf mich, übt das gleißende Metall seine Herrschaftaus. Das Gold bindet Könige und Päpste; es versöhnt Menschenund — behaupten manche — sogar Götter. Nichts widersteht demGolde; nichts ist ihm zu unerreichbar."
Die Geldwirtschaft allein aber ist imstande, den Menschenan die rein quantifizierende Betrachtung der Welt zu gewöhnen.