Fünfundzwanzigstes Kapitel: Die Gold- und Silberfunde 4g 1
Erst wenn in Jahrzehnten und Jahrhunderten immer wiederder gleichmacherische Maßstab des Geldes als Wertmesser ver-wendet wird, löscht sich die ursprünglich Art- und Eigenschaft-bewertende Anschauung aus, und die Menge- und Masse-bewertende Orientierung wird zu einer Selbstverständlichkeit desalltäglichen Lebens. Die Geldwirtschaft ist im eigentlichen Sinnedie Vorschule des kapitalistischen Geistes: sie drillt die mensch-liche Seele auf die kapitalistische Betrachtung der Welt ein.
Die allgemeine Verwendung des Geldes — das hier immerdas Metall- und fast nur das Edelmetallgeld ist — bot aberauch erst die Voraussetzung dar, damit sich jener Bestandteildes kapitalistischen Geistes, den wir als Rechenhaftigkeit be-zeichneten, entfalten konnte. Das Rechnen in einer Eigen-wirtschaft und ebenso in einer Natural-Verkehrswirtschaft istaußerordentlich mühsam, wenn nicht unmöglich. Denn dieGrundlage des Rechnens bildet die Zahl; und die Zahl will eineGröße vorstellen, und meßbare Wertgrößen gibt es für diePraxis nicht, solange nicht der Geldausdruck sich eingebürgert hat.
Ohne Geldwirtschäft gäbe es keinen modernen Staat, derwiederum, wie wir sahen, soviel Förderung für den kapitalistischen Geist gebracht hat; ohne Geldwirtschaft gäbe es keinenAntoninus von Florenz und so weiter, wie man es sichleicht selber weiter ausdenken kann. Ganz abgesehen davon,daß es ohne Geldwirtschaft auch gar keinen — Kapitalismusgäbe, also kein Objekt, auf den sich der kapitalistische Geist be-ziehen könnte.
And wiederum, das müssen wir uns immer gegenwärtighalten, waren die Begründung und Ausbreitung der Geld-wirtschaft an die ganz simple Voraussetzung gebunden, daßeine genügend große Menge Geldstoff (da in den AnfängenGeldsurrogate gar nicht in Betracht kamen, also: Edelmetalle)einer Volksgemeinschaft zur Verfügung stand.
Somvart, Der Bourgeois 26