Fllnfundzwanzigstes Kapitel: Die Gold- und Silberfunde 4YZ
Aber nicht nur der eigene Besitz steigert in uns das Ver-langen nach größerem Besitz: schon der Anblick fremden Geldes,der Anblick großer Geldmassen überhaupt kann ^ wenn dieGemüter darauf eingestellt sind — die Menschen toll machenund sie in jenen Zustand des Rausches versetzen, den wir alsdas Merkmal aller großen Spekulationsperioden kennen gelernthaben. Das Gold, das wir glitzern sehen, dessen klingendenTon wir hören, peitscht unser Blut auf, verwirrt unsere Sinne,erfüllt uns mit dem leidenschaftlichen Dränge, von diesemGolde selbst soviel wie möglich zu besitzen. „Die Flut vonGold, die nicht abnahm, sondern stetig wuchs, zauberte einenGlanz wahnsinniger Gier in die Augen der Köpfe, die sich indie Schalter zwängten" — als die neuen Aktien der neuenGesellschaft gezeichnet wurden. Es ist ein feiner Zug in Zolas »I_'^r^ent«, wenn wir Saccard immer wieder zurückkehrensehen zu jenem Kolb, der die Goldarbitrage betreibt und täglichviele Millionen aus der Münzform in die Barrenform um-schmilzt: hier klingt und klirrt es geisterhaft, und an diesemKlang richtet sich die Seele des großen Spekulanten immerwieder von neuem auf: es ist „die Musik des Goldes", diedurch alle Geschäfte klingt: „vergleichbar den Stimmen derFeen aus den Märchen..."
Bei dieser starken Wirkung, die die großen Goldmassen aufdie Seele des Menschen ausüben, gehen rein sinnliche Eindrückemit reflektierten Vorstellungen Äand in Äand. In den beideneben angeführten Beispielen ist es die unmittelbare optische undakustische Sinneswahrnehmung, die den Zauber ausübt. Inanderen Fällen sind es die abstrakten Vorstellungen großerZiffern: Niesengewinne, Riesenvermögen, Riesenumsätze, diegleicherweise aufreizend wirken. Sofern nun diese Größen-wirkungen, wie es der Fall zu sein pflegt, im Gefolge einer
Vermehrung der Geldvorräte sich einstellen, wird deren Be-
26*