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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Dritter Abschnitt: Die sozialen Amstände

aktiv und lieferte im 17. Jahrhundert die Mittel, um alle Passiv-Saldi, die etwa im Handel mit anderen Ländern entstanden, reichlichzu begleichen. Seignelay weist den Vorwurf zurück, den man derindischen Kompagnie gemacht hatte, daß ihr indischer Handel Geldaußer Landes führe: es sei spanisches Silber, mit dem die indischenImporten bezahlt würden^). Es gab Schiffe, die Gold und Silberim Werte von 300 Millionen Franken an Bord hatten. Der vene-zianische Gesandte Tiepolo bestätigt diese Tatsache, daß Frankreich große Summen am amerikanischen -Handel gewann^). Die Eng-länder berechneten, daß Hunderte von Millionen auf diesem Wegein die Hände der Franzosen gelangt und diese dadurch allein in denStand gesetzt worden seien, den Krieg auszuhalten. Der größteVorwurf, der der Wighpartei von den Tones gemacht wurde, bestanddarin, daß sie nichts getan hatten, um diesen Handel zu stören

Ein Land, an dem Frankreich im 17. Jahrhundert große Summengewann, war ferner Holland. Von Holland wissen wir, daß esin dieser Zeit an Geld förmlich erstickte: 1684 war die Geldflüssigkeitso groß, daß die Stadt Amsterdam ihre Anleihen von 3'/s auf3°/oherabsetzte^). Diese Geldplethora stammte in jenen Iahren zumTeil von den großen Vermögen her, die die französischen Emigranten(und gewiß auch die Juden) nach Kolland gebracht hatten^"). Aberdie größte Menge des Geldes war doch durch den spanischen Handelherbeigeschafft worden, wie alle Beurteiler übereinstimmend be-stätigen"«).

Von dem holländischen Gelde hatte Frankreich bis zum Niedergangdes holländisch-französischen Handels große Mengen an sich gezogen.Im Jahre 1658 hatte die Ausfuhr nach Holland 72 MillionenFranken betragen, davon für 52 Millionen Industrieerzeugnisse ^").!lnd diese Waren wurden größtenteils mit barem Gelde bezahlt:de Wit nimmt an, daß in jener Zeit die Franzosen von denHolländern jährlich mehr als 30 Millionen Gulden in barem Geldeerhielten "2).

Noch größer werden die Summen baren Geldes gewesen sein,die gegen Ende des 17. Jahrhunderts und namentlich in den erstenJahrzehnten des 18. Jahrhunderts nach England flössen.

Diese Geldbeträge stammten vornehmlich aus drei Quellen: eswaren