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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Sechsundzwanzigstes Kapitel: Die Technik

'Wie sollten wir uns die Eigenart des modernen Wirtschafts--menschen erklären ohne den eigentümlichen Verlauf, den dieTechnik, den vor allem die Produktions- und Transporttechnik,während des letzten halben Jahrtausends genommen hat?

Anter Technik im weiteren Sinne verstehen wir alle Ver-fahrungsweisen, deren sich der Mensch bedient zur Erreichungvorgesteckter Ziele, im engeren Sinne die zweckentsprechende Ver-wendung von Sachgegenständen: in diesem Falle spreche ichvon Instrumentaltechnik, und diese allein kommt hier in Frage.Dient die Instrumentaltechnik dazu, um Güter zu erzeugen, soist sie Produktionstechnik; sollen mit ihrer Äilfe Personen,Güter oder Nachrichten transportiert werden, so ist sie Trans-porttechnik.

An und für sich betrachtet istdie Technik" keinsozialerAmstand", sondern ein geistiger Besitz. Da aber erst ihre An-wendung, die immer nur im Rahmen sozialer Ordnungen mög-lich ist, die hier in Frage stehenden Wirkungen ausübt, so wirdsie füglich unter dem Rubrum der sozialen Amstände mit ab-gehandelt.

Ihre Wirkungen? Aber ist sie nicht selbst erst durch denWirtschaftsmenschen bewirkt, ist der kapitalistische Geist nichtihr Erzeuger? Wie kann sie diesen selbst erzeugen helfen?

Dieser Einwand ist wie folgt zu erledigen.

Erstens ist keineswegs jede technische Erfindung ein Aus-fluß des kapitalistischen Geistes. Viele Erfindungen kommenungerufen, unerwartet wie Naturereignisse, und auch diejenigen,die gewollt sind, erscheinen doch häufig in ganz anderer Gestaltund üben ganz andere Wirkungen aus, als man beabsichtigt hatte.

Zweitens: Auch wenn jede einzelne technische Neuerung dieWirkung kapitalistischen Geistes wäre, so würde sie nachdem