Druckschrift 
Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
Seite
420
Einzelbild herunterladen
 

420

Dritter Abschnitt: Die sozialen Umstände

angefangen hat, auf wissenschaftlicher Grundlage ihre Verfahrenaufzubauen.

Alle frühere Technik^"), so Wunderbares sie auch geleistethatte, war empirisch gewesen: hatte auf der persönlichen Er-fahrung beruht, die von Meister zu Meister, von Geschlecht zuGeschlecht durch die ebenso persönliche Lehre übertragen wordenwar. Man kannte die Handgriffe, die Verfahrungsweise, dieman anzuwenden hatte; damit begnügte man sich. Man hattedie Erfahrung im Laufe der Zeit gewonnen und bewahrtedie Erfahrung weiter.

An die Stelle der Erfahrung tritt als Grundlage der Technikseit dem 17. Jahrhundert die naturwissenschaftliche Erkenntnis.Seitdem wird etwas nicht mehr vollbracht, weil ein Meister sichim Besitze eines persönlichen Könnens befindet, sondern weiljedermann, der sich mit dem Gegenstande beschäftigt, die Gesetzekennt, die dem technischen Vorgange zugrunde liegen, und derengewissenhafte Befolgung auch jedermann den Erfolg verbürgt.War früher gearbeitet worden nach Regeln, so vollzieht sichjetzt die Tätigkeit nach Gesetzen, deren Ergründung und An-wendung die eigentliche Hauptaufgabe des rationellen Ver-fahrens erscheint.

Die Gleichförmigkeit des Gegensatzes zwischen alter undmoderner Technik einerseits, handwerkerlicher und kapitalistischerWirtschaftsgesinnung andererseits springt in die Augen. Es istaber in beiden Fällen derselbe Gegensatz zwischen Empirie undNationalismus. Wenn aber in zwei eng miteinander in Be-rührung stehenden Kulturkreisen, wie Technik und Wirtschaft,sich die gleiche Entwicklung vollzieht, wie hier von der empirischenzur rationalen Gestaltung, so läßt sich ohne weiteres annehmen,daß die eine Entwicklung auf die andere ihren Einfluß ausgeübthat, daß somit der ökonomische Rationalismus seine Ausbildungmiterfahren hat durch den technischen Nationalismus.