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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Sechsundzwanzigstes Kapitel: Die Technik

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wohl die Gewöhnung an den Geldausdruck beigetragen. Aberwir wollen uns doch erinnern, daß das Wesen des spezifischmodernen naturwissenschaftlichen Denkens diese selbe Tendenzzur Auflösung aller Qualitäten in Quantitäten ist. Erst dann,wenn sich für irgendeinen Vorgang in der Natur eine mache-matische Formel aufstellen läßt, so hat uns Kant belehrt,haben wir das Recht, von naturgesetzlicher Erkenntnis zusprechen.

Also sicher haben wir auch hier wieder eine Parallelentwick-lung des naturwissenschaftlichen Geistes, wie er in der Techniksich niederschlägt, und des kapitalistischen Geistes vor uns, wiesich denn diese Parallelität noch in zahlreichen anderen Fällennachweisen läßt^°). Aber da sich eine Einwirkung des natur-wissenschaftlich-technischen Denkens auf das wirtschaftliche beidiesen allgemeinsten Formen, die das Denken annimmt, schwernachweisen läßt, so will ich darauf verzichten, den möglichenZusammenhängen hier noch weiter nachzugehen, und will lieberdie Aufmerksamkeit des Lesers noch auf einen anderen wichtigenKomplex geistiger Vorgänge hinlenken, bei denen die Ausbildungdes kapitalistischen Geistes ganz deutlich in Abhängigkeit vonder Entwicklung der Technik erfolgt.

Ich meine die Verschiebungen der Lebenswerte,die wir den gewaltigen technischen Fortschritten unserer Zeitverdanken, und die für die Gesinnung des modernen Wirtschafts-menschen von grundlegender Bedeutung geworden sind.

Zweifellos ist im wesentlichen durch die Errungenschaftender modernen Technik das technische Interesse oder genauerdas Interesse für technische Probleme in den Vordergrund allerInteressen getreten. Das ist begreiflich genug. Die immergrößeren Leistungen im Bereiche der Technik haben erst dieNeugier angeregt, haben die Aufmerksamkeit auf sich gezogenund haben der Zeit ihren Stolz gegeben. Die Technik ist ja