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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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422 Dritter Abschnitt: Die sozialen Umstände

Cocläus sagt darüber im Jahre 1S11:Aus Eisen machteer kleine Ähren mit vielen Rädern, die 40 Stunden anzeigenund schlagen und im Busen oder Geldbeutel getragen werdenkönnen"^). 1690 kommt der Sekundenmesser hinzu, der vonJohn Floyer als Hilfsmittel zur sicheren Pulszählung ein-geführt wurde (ein Fall, in dem deutlich das wirtschaftlicheInteresse nicht die treibende Kraft der Erfindung warl). Diegenaue Zeiteinteilung, dasRechnen" mit der Zeit, wird natür-lich erst möglich, nachdem die Zeit genau gemessen werdenkonnte. (Ebenso wurde das exakte Rechnen mit Geld erst mög-lich, nachdem die Technik eine exakte Herstellung der Münzenermöglicht hatte!)

Die rechnerisch genaue Wirtschaftsführung ist aber ebensosehr befördert worden durch die allmähliche Vervollkommnungdes technischen Prozesses. Genaue Kalkulationen bei Lieferungs-auftragen setzen eine vollständig sichere Produktion voraus; diemodernen Verkehrsmittel haben, kann man getrost sagen, denwie eine riesige Maschine automatisch funktionierenden Betrieberst ermöglicht, wenn nicht geschaffen: die Ausbildung desrechnerischen Sinnes ist also zum guten Teil ein Werk derTechnik.

Daß auch das Eiltempo des modernen Wirtschaftsmenschenerst durch die Errungenschaften der modernen Technik: Eisen-bahn, Telegraph, Telephon erzeugt oder mindestens stark ge-fördert worden ist, lehrt die einfache Äberlegung. Andere Kräfte,werden wir noch sehen, sind hier am Werke, die auf diesesTempo hindrängen: die Technik ermöglicht es, die Techniksteigert es, die Technik verallgemeinert es.

Es liegt nahe, die moderne Technik mit verantwortlich zumachen auch für die gesamte eigentümliche Gedankeneinstellungdes modernen Wirtschaftsmenschen: seine rein quantifizierendeBetrachtung der Welt. Freilich hat zu dieser das größte Teil